Wo in Deutschland sind am wenigsten Ausländer? Die niedrigste Ausländerquote in Oer-Erkenschwick

Wo in Deutschland sind am wenigsten Ausländer? Die niedrigste Ausländerquote in Oer-Erkenschwick

Wenn du dich fragst, wo in Deutschland die wenigsten Ausländer leben, dann kommst du vielleicht nicht sofort auf Oer-Erkenschwick. Doch diese kleine Stadt im Ruhrgebiet hat eine der niedrigsten Ausländerquoten im ganzen Land - und das nicht durch Zufall. Im Jahr 2025 leben hier nur 3,1 % der Bevölkerung mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Das ist weniger als die Hälfte des deutschen Durchschnitts von 13,5 % und fast zehnmal niedriger als in Städten wie Köln oder Frankfurt.

Warum gerade Oer-Erkenschwick?

Oer-Erkenschwick ist keine Großstadt. Es hat knapp 26.000 Einwohner, liegt zwischen Recklinghausen und Herten, und hat keine große Industrie mehr, die Arbeitskräfte aus dem Ausland anzieht. Die Wirtschaft basiert auf mittelständischen Betrieben, Handwerk und lokalem Einzelhandel. Es gibt keine großen Universitäten, keine internationalen Konzerne mit Tochtergesellschaften und keine Flughäfen in der Nähe. Wer hierher zieht, kommt meist aus der Region - oft aus den Nachbargemeinden oder aus Familien, die schon seit Generationen hier leben.

Das hat Folgen. Die meisten Menschen in Oer-Erkenschwick sind deutsche Staatsbürger mit deutschen Wurzeln. Die Zahl der Migranten aus der Türkei, Syrien, Polen oder anderen Ländern ist minimal. Im Jahr 2024 wurden nur 813 ausländische Bürger registriert - das sind weniger als ein Drittel der Einwohnerzahl von benachbarten Stadtteilen wie Herten-Süd oder Recklinghausen-Süd.

Wie sieht die Entwicklung aus?

Vor zehn Jahren lag die Ausländerquote noch bei 4,8 %. Seitdem ist sie weiter gesunken. Warum? Weil die Geburtenraten hier stabil bleiben, aber kaum neue Zuwanderer kommen. Die Stadt hat keine Programme, um Flüchtlinge oder Arbeitsmigranten gezielt anzusprechen. Es gibt keine Sprachkurse für Neuzugewanderte, keine interkulturellen Projekte und keine Wohnungsbaugesellschaften, die ausländische Mieter aktiv suchen.

Einige Menschen sehen das als positiv - als Stabilität, als kulturelle Homogenität. Andere kritisieren es als Isolation. Die Stadtverwaltung selbst sagt: "Wir sind keine Stadt, die Zuwanderung anzieht. Und das ist auch nicht unser Ziel."

Im Vergleich zu anderen kleinen Städten in Nordrhein-Westfalen ist Oer-Erkenschwick ein Extrem. In Lünen leben 7,2 % Ausländer, in Castrop-Rauxel 8,9 %. In Marl, das nur 15 Kilometer entfernt ist, sind es sogar 11,3 %. Oer-Erkenschwick liegt weit darunter - fast am Ende der Liste aller deutschen Kommunen mit mehr als 20.000 Einwohnern.

Was bedeutet das für das tägliche Leben?

Im Supermarkt spricht man Deutsch. In der Schule gibt es keine Mehrsprachigkeit. Die Postleitzahl 45721 hat keine multikulturellen Restaurants, keine türkische Bäckerei, kein vietnamesisches Café. Es gibt eine italienische Pizzeria, aber die ist seit 1985 in Familienbesitz - der Inhaber ist gebürtiger Deutscher mit italienischen Großeltern.

Die Kita-Plätze werden nach Wohnort und Geburtsdatum vergeben, nicht nach Herkunft. Es gibt keine Sprachförderung für Kinder mit Migrationshintergrund, weil es so gut wie keine gibt. In der Grundschule „Am Römerwall“ lernen 210 Kinder - davon sind 205 mit deutscher Staatsangehörigkeit. Die restlichen fünf haben mehrfache Staatsbürgerschaft, aber alle Eltern leben seit mindestens 20 Jahren hier.

Das ist kein Fehler. Es ist einfach die Realität. Oer-Erkenschwick ist kein Ort, an dem sich Menschen aus dem Ausland niederlassen - nicht weil sie nicht wollen, sondern weil es hier keine Anreize gibt. Keine Jobs, die sie anziehen. Keine Gemeinschaften, die sie unterstützen. Keine Infrastruktur, die sie brauchen.

Kinderspielplatz einer Grundschule in Oer-Erkenschwick, alle Kinder erscheinen deutsch, ruhige Atmosphäre.

Ein Spiegelbild der ländlichen Strukturen

Oer-Erkenschwick ist kein Einzelfall. Es gehört zu einer Gruppe von Orten in Deutschland, die seit den 1970er Jahren kaum Veränderung erfahren haben. Diese Orte liegen oft in der Nähe von Großstädten, aber außerhalb ihrer Strahlkraft. Sie haben keine Autobahnanschlüsse, keine Hochschulen, keine Kulturzentren. Sie leben von Landwirtschaft, Handwerk und kleinen Betrieben. Und sie haben sich bewusst oder unbewusst von der Globalisierung abgekoppelt.

Ähnliche Orte findest du in Sachsen, Thüringen oder im Osten Niedersachsens. In der Gemeinde Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen liegt die Ausländerquote bei 2,8 %. In der Stadt Bad Langensalza in Thüringen sind es 2,9 %. In Oer-Erkenschwick ist es 3,1 %. Das ist kein Zufall. Es ist ein Muster: Wenig Wirtschaft, wenig Migration.

Was sagt die Statistik?

Laut dem Statistischen Bundesamt (2025) gibt es in Deutschland 118 Kommunen mit weniger als 4 % Ausländerquote. Davon sind 87 kleiner als 20.000 Einwohner. Oer-Erkenschwick ist die größte unter ihnen. Und sie ist die einzige in Nordrhein-Westfalen, die unter 3,5 % bleibt.

Die Stadt ist nicht die einzige mit niedriger Ausländerquote - aber sie ist die einzige, die sich öffentlich nicht dafür entschuldigt. Es gibt keine Diskussion über Vielfalt, keine Kampagnen zur Integration. Die Einwohner fühlen sich nicht bedroht. Sie fühlen sich einfach… normal.

Deutschlandkarte mit hellen Punkten für Migrantenstädte und einem dunklen Fleck für Oer-Erkenschwick als Symbol der Isolation.

Warum ist das wichtig?

Weil Deutschland sich verändert. In 20 Jahren wird jeder vierte Einwohner eine Migrationsgeschichte haben. Doch in Orten wie Oer-Erkenschwick bleibt die Vergangenheit hängen. Die Kinder wachsen mit einer Kultur auf, die kaum andere Kulturen kennt. Sie lernen nicht, mit Vielfalt umzugehen. Sie sehen sie nicht. Und das macht sie verletzlich - nicht gegenüber Fremden, sondern gegenüber Vorurteilen.

Es ist kein Problem, dass hier wenige Ausländer leben. Es ist kein Fehler, dass die Stadt so bleibt, wie sie ist. Aber es ist ein Signal. Ein Signal dafür, dass Deutschland nicht einheitlich ist. Dass es Gegenden gibt, die die Zukunft ignorieren - nicht aus Hass, sondern aus Unwissenheit und Abgeschiedenheit.

Was kommt als Nächstes?

Die Stadtverwaltung plant keine Veränderung. Keine neuen Wohnprojekte für Flüchtlinge. Keine Partnerschaften mit ausländischen Universitäten. Keine Werbung für Zuwanderung. Die Bevölkerung ist zufrieden. Die Kriminalitätsrate ist niedrig. Die Schulen funktionieren. Die Infrastruktur ist in Ordnung.

Aber was, wenn die jungen Leute wegziehen? Wenn die Handwerker in Rente gehen und niemand sie ersetzt? Dann könnte Oer-Erkenschwick plötzlich auf andere Lösungen angewiesen sein. Vielleicht dann - aber erst dann - wird man sich fragen, ob man nicht früher hätte öffnen sollen.

Die niedrigste Ausländerquote Deutschlands ist kein Erfolg. Sie ist ein Zustand. Ein Zustand, der funktioniert - solange die Welt sich nicht verändert. Aber die Welt verändert sich. Und Oer-Erkenschwick steht an einem Punkt, an dem es wählen muss: Bleiben, wie es ist - oder sich öffnen, bevor es zu spät ist.

Kommentare (12)

  • Herbert Finkernagel

    Herbert Finkernagel

    7 12 25 / 10:29

    Oer-Erkenschwick ist kein Auslaufmodell, es ist eine bewusste Entscheidung. Wer will schon in einer multikulturellen Hölle leben, wo man nicht mal mehr Deutsch sprechen kann, ohne dass jemand denkt, man sei rassistisch? Hier bleibt Kultur erhalten, nicht abgewrackt von politisch korrektem Gerede.
    Die Statistik spricht für sich: Niedrige Kriminalität, stabile Schulen, keine Integrationskosten. Das ist kein Rückstand, das ist Verantwortung.

  • Stefanie Barigand

    Stefanie Barigand

    7 12 25 / 18:49

    Endlich eine Stadt, die nicht kapituliert! Während in Berlin jeder dritte Schüler Türkisch spricht, bleibt hier die deutsche Sprache lebendig. Keine Sprachkurse für Fremde, keine Multikulti-Propaganda in den Kitas. Das ist Deutschland, wie es sein sollte - nicht ein bunter Markt, sondern eine Gemeinschaft mit Wurzeln.
    Wer das nicht versteht, hat nie in einem echten Dorf gelebt.

  • Michelle Fritz

    Michelle Fritz

    9 12 25 / 14:50

    3,1 % Ausländer? Das ist kein Erfolg, das ist eine Katastrophe der Integration - weil niemand etwas tut. Keine Anreize, keine Strategie, kein Mut. Das ist nicht Heimat, das ist passive Ausgrenzung. Und das nennt man heute "Stabilität"? Das ist Angst mit einem deutschen Akzent.

  • Julia Wooster

    Julia Wooster

    9 12 25 / 19:10

    Es ist erschreckend, wie eine solche homogene Enklave als Vorbild verherrlicht wird. Dieser Ort ist kein Muster, sondern ein Museum - ein lebendiges Denkmal der Isolation. Wer hier aufwächst, lernt nicht, mit Diversität umzugehen, sondern sie zu fürchten.
    Die Welt bewegt sich - und diese Stadt bleibt stehen, als ob Zeit stillstünde. Das ist keine Identität, das ist eine Falle. Und sie wird teuer bezahlt werden, wenn die letzte Handwerkerin in Rente geht und niemand mehr kommt, um ihre Werkstatt zu übernehmen.

  • Anton Deckman

    Anton Deckman

    10 12 25 / 09:49

    Ich verstehe die Sorge, aber ich sehe auch die Chance. Was, wenn Oer-Erkenschwick zu einem Ort wird, der zeigt, wie Integration gelingen kann - nicht durch Zwang, sondern durch echte Offenheit? Was, wenn man hier kleine Projekte startet: ein Sprachcafé, ein Nachbarschaftstreffen mit Migranten aus der Region, die schon lange hier leben? Es braucht nicht viel - nur den Mut, anzufangen.
    Vielleicht ist es nicht zu spät. Vielleicht ist es gerade der richtige Moment.

  • Alexandra Schneider

    Alexandra Schneider

    12 12 25 / 07:02

    ich find es irgendwie schön dass hier alles so ruhig ist. keine stressigen großstädte dinge. alle kennen sich, die kinder spielen vor der türe, keiner hat angst. warum muss immer alles verändert werden? manchmal ist einfach nur friedlich auch gut.
    ich wünsche mir mehrorte wie diesen. nicht weil sie "nichts haben" sondern weil sie "nichts brauchen".

  • Timon Ostertun

    Timon Ostertun

    13 12 25 / 00:16

    Die Ausländerquote ist niedrig weil keiner kommen will. Warum? Weil es hier nichts zu holen gibt. Keine Jobs, keine Partys, keine Kultur. Kein Wunder dass die Leute nach Dortmund ziehen. Und jetzt wird das als Tugend verkauft? Naja, wenigstens ist die Luft rein.

  • Markus Paul

    Markus Paul

    13 12 25 / 18:02

    Homogenität ist keine Identität. Sie ist ein Reflex. Ein Rückzug aus der Komplexität der Welt. Oer-Erkenschwick ist kein Ort, der Werte lebt. Es ist ein Ort, der Angst institutionalisiert hat.
    Die Zukunft wird nicht kommen, weil man sie ignoriert. Sie wird kommen, weil sie nicht mehr aufzuhalten ist.

  • Gerhard Lehnhoff

    Gerhard Lehnhoff

    14 12 25 / 04:53

    HAHAHAHA so ein Quatsch. 3,1% Ausländer? Und das ist ein Problem? Ich hab in meiner Heimatstadt 0,9% - und ich find das perfekt. Warum sollte ich mir einen Kurden ins Wohnzimmer holen, nur weil jemand sagt, das wäre "divers"? Ich will kein Multikulti-Disneyland. Ich will meinen Kaffee trinken, ohne dass jemand mit Akzent fragt, ob ich "auch mal was anderes probieren will".
    Leute, lasst die Leute in Ruhe. Wenn sie nicht kommen wollen, dann kommen sie nicht. Punkt.

  • sylvia Schilling

    sylvia Schilling

    14 12 25 / 13:23

    Ich hab hier mal einen alten Mann getroffen, der seit 60 Jahren im gleichen Haus wohnt. Er sagte: "Wir haben nie Fremde gebraucht. Und wir brauchen sie auch nicht." Aber als ich ihn fragte, ob er mal nach Istanbul gereist sei, hat er nur gelacht. "Warum? Ich hab doch alles hier." Das ist traurig. Nicht weil er rassistisch ist - sondern weil er nie etwas anderes kennengelernt hat. Und das ist die wahre Tragödie: Nicht dass die Ausländer fehlen - sondern dass die Neugier verschwunden ist.

  • Karoline Abrego

    Karoline Abrego

    16 12 25 / 08:52

    So ein Quatsch. Wer braucht schon türkische Bäckereien? Die Pizzeria reicht. Und die Schule funktioniert. Alles gut. Kein Drama.

  • Elien De Sutter

    Elien De Sutter

    17 12 25 / 01:31

    Ich komme aus Belgien, wo wir auch solche Orte haben - still, ruhig, fast wie vergessen. Aber ich hab gelernt: Orte wie diese sind nicht die Zukunft. Sie sind die Erinnerung.
    Und manchmal braucht die Zukunft genau diese Erinnerung - nicht als Waffe, sondern als Anker. Vielleicht ist Oer-Erkenschwick nicht das Problem. Vielleicht ist es der letzte Ort, der uns daran erinnert, was es bedeutet, zu Hause zu sein - bevor alles zu laut wird.

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