Wenn du jemanden aus Nordrhein-Westfalen triffst, wie ansprechst du ihn dann richtig? Nicht jeder, der in diesem Bundesland lebt, mag es, als Nordrhein-Westfale bezeichnet zu werden. Vielleicht hast du schon mal gehört, dass jemand aus Dortmund lieber als Westfale gilt, während jemand aus Köln sich eher als Rheinländer sieht. Das liegt nicht an Eigenwilligkeit - es steckt eine tiefe kulturelle und historische Wurzel dahinter.
Offiziell sind alle Menschen, die in Nordrhein-Westfalen geboren sind oder dort ihren Hauptwohnsitz haben, Nordrhein-Westfalen. Das steht im Gesetz, in der Statistik, auf amtlichen Formularen. Aber in der Alltagssprache? Da ist es komplizierter. Viele Menschen identifizieren sich nicht mit dieser politischen Zusammenlegung, die 1946 nach dem Zweiten Weltkrieg entstand. Damals wurden die ehemaligen Provinzen Westfalen und Rheinland sowie das kleine Fürstentum Lippe zu einem neuen Land verschmolzen. Die Menschen lebten seit Jahrhunderten in getrennten Kulturkreisen - mit unterschiedlichen Dialekten, Traditionen und sogar Essgewohnheiten.
Ein Mensch aus Münster sagt selten: „Ich bin Nordrhein-Westfale.“ Er sagt: „Ich bin Westfale.“ Ein Mensch aus Düsseldorf oder Bonn sagt eher: „Ich bin Rheinländer.“ Und wer aus Detmold kommt? Der ist Lipper. Diese Identitäten sind stärker als die Landesgrenzen. Sie sind in der Sprache, im Essen, in den Festen verankert.
Westfalen ist kein bloßer Name. Es ist eine kulturelle Heimat. Die Westfalen sprechen einen eigenen Dialekt, der sich von der niederdeutschen Sprache ableitet. In Münster, Bielefeld oder Osnabrück hört man noch heute Sätze wie „Dat is nich“ oder „Ich hätt’ dat nich gedacht.“ Die Westfalen sind bekannt für ihre Bodenständigkeit, ihre Sparsamkeit und ihre starke Verbundenheit mit dem Heimatort. Viele tragen den Begriff mit Stolz - manche sogar mit einer Prise Abneigung gegenüber den „Rheinern“.
Historisch gesehen war Westfalen Teil des Heiligen Römischen Reiches und später des Königreichs Preußen. Es hatte eigene Landtage, eigene Gesetze, eigene Identität. Selbst heute gibt es Organisationen wie den „Westfälischen Heimatbund“, der die Traditionen bewahrt. Wer sich als Westfale bezeichnet, sagt damit: „Ich gehöre zu einer alten, eigenständigen Kultur - nicht nur zu einem modernen Verwaltungsgebilde.“
Im Gegensatz dazu steht der Rheinländer. Wer aus Köln, Düsseldorf, Bonn oder Aachen kommt, fühlt sich oft als Teil einer anderen Welt. Die Rheinländer sind bekannt für ihre Lebensfreude, ihre Liebe zu Karneval, ihren Wein und ihre lockere Art. Der Dialekt hier ist anders - er klingt weicher, melodischer. In Köln sagt man „Kölsch“ nicht nur für das Bier, sondern auch für die Sprache. Und wer sagt „Jo, dat is doch klar!“, der ist meistens ein echter Rheinländer.
Die Geschichte des Rheinlands ist geprägt von französischer Besetzung, industrieller Revolution und starker urbaner Entwicklung. Die Menschen hier sind oft weltoffen, haben eine starke Verbindung zur Stadt und weniger zur ländlichen Tradition. Karneval ist kein Spaß - er ist eine Religion. Und wer hier lebt, fühlt sich nicht als Teil von „Nordrhein-Westfalen“, sondern als Teil von „dem Rheinland“.
Ein kleiner, aber wichtiger Teil Nordrhein-Westfalens ist das ehemalige Fürstentum Lippe. Heute ist es der Kreis Lippe, mit Detmold als Zentrum. Die Lipper haben ihre eigene Geschichte, ihre eigene Sprache und eine starke Identität. Viele Lipper lehnen es ab, als Westfalen oder Nordrhein-Westfalen bezeichnet zu werden. Sie sagen einfach: „Ich bin Lipper.“
Die Lipper haben lange unabhängig gelebt - bis 1947, als sie offiziell in Nordrhein-Westfalen eingegliedert wurden. Trotzdem haben sie ihre Eigenheiten bewahrt: von der Lipper Küche (mit ihren berühmten „Lippischen Kartoffeln“) bis hin zu ihrem eigenen Brauchtum. Wenn du jemanden aus Lemgo oder Bad Salzuflen triffst, und er sagt: „Ich bin Lipper“, dann akzeptiere das. Es ist kein Fehler - es ist seine Wahrheit.
Diese Unterschiede sind nicht nur historisch interessant - sie beeinflussen den Alltag. In der Politik, in der Wirtschaft, in der Medienberichterstattung: Wer alle Menschen in Nordrhein-Westfalen als „Nordrhein-Westfalen“ anspricht, übersieht eine wichtige Realität. Unternehmen, die in ganz NRW werben, müssen das wissen. Eine Kampagne, die „Wir sind alle Nordrhein-Westfalen“ ruft, könnte in Münster als abgehoben wirken - aber in Düsseldorf als herzlich. Die richtige Ansprache zählt.
Auch im Alltag: Wenn du jemanden aus Essen fragst, ob er Westfale ist, könnte er verärgert sein. Er ist Ruhrpott. Und Ruhrpott ist etwas anderes als Westfalen. Der Ruhrpott hat seine eigene Geschichte - als Kohle- und Stahlregion, als Arbeiterkultur, als Ort der Migration. Die Menschen dort sagen: „Ich bin Ruhrpott.“ Nicht „Ich bin Westfale.“ Und das ist okay.
Wenn du unsicher bist, wie du jemanden aus Nordrhein-Westfalen ansprechen sollst, dann geh so vor:
Es geht nicht darum, perfekt zu sein. Es geht darum, Respekt zu zeigen. Jeder Mensch hat das Recht, sich zu identifizieren - nicht nach politischen Grenzen, sondern nach Heimat, Sprache und Gefühl.
Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen zählt rund 18 Millionen Einwohner. Aber in Umfragen geben nur 28 % der Befragten an, sich primär als „Nordrhein-Westfale“ zu fühlen. Über 50 % nennen ihre Region als ihre Hauptidentität: Westfalen, Rheinland, Ruhrgebiet oder Lippe. Nur 9 % sagen, sie fühlen sich „überwiegend“ als Nordrhein-Westfale. Die Zahlen zeigen: Die regionale Identität ist stärker als die Landesidentität.
Das ist kein Mangel - das ist eine Stärke. Nordrhein-Westfalen ist kein homogenes Land. Es ist ein Bündnis von Kulturen. Und das macht es einzigartig.
Die Bezeichnung „Nordrhein-Westfale“ ist offiziell richtig - aber sie ist nicht persönlich. Sie ist die Adresse auf dem Briefumschlag. Die echte Identität steht in der Seele.
Olav Engh
24 12 25 / 20:04Ich find’s krass, wie stark die Identität hier noch lebt 😊 Ich war letzte Woche in Münster und hab einen Typen gefragt, ob er Nordrhein-Westfale ist – der hat gelacht und gesagt: „Nein, ich bin Westfale. Und nein, ich esse keine Pommes mit Ketchup.“ 🤣
Geir Isaksen
25 12 25 / 19:29Die ganze Diskussion is ne Erfindung von den Medien und der Politik. Wer sich als Rheinländer sieht, is einfach nur ne unfähige Person die nicht mal sein eigenes Bundesland akzeptiert. NWR is doch klar die einzige richtige Bezeichnung. Sonst wär doch auch Bayern noch 'n Königreich oder so. 🤷♂️
Olav Finne
27 12 25 / 01:38Es ist statistisch nachgewiesen, dass regionale Identitäten in NRW signifikant über der Landesidentität liegen. Laut einer Studie der Universität Bonn aus dem Jahr 2021 beträgt der Anteil der Personen, die sich primär als Westfale, Rheinländer oder Ruhrpott bezeichnen, 53,7 %. Die offizielle Bezeichnung „Nordrhein-Westfale“ wird lediglich von 28 % als primäre Identität genannt. Dies ist kein Phänomen der Alltagssprache, sondern ein Ausdruck kultureller Differenzierung, die tief in der Geschichte verankert ist.
Even Ødegård
28 12 25 / 05:58Die ganze Regionen-Sache is ne Verschwörung von der EU und den Medien! Die wollen uns spalten, damit wir uns nicht gegen die Steuererhöhungen wehren. Wer sagt, er is Lipper, der is ein Verräter. Die Regierung hat uns alle als NRWler geboren, das steht in den Akten. Und wer das leugnet, der is Teil des Systems.
Kathinka Haugsand
29 12 25 / 12:04Ich find’s total absurd, dass man noch immer so viel Wert auf diese alten Bezeichnungen legt. Ist das nicht genau das, was die Rechten nutzen? „Wir sind anders als die anderen“ – das klingt nach 1930. Wir sollten doch alle einfach „NRWler“ sagen und fertig. Sonst wird das nächste Mal jemand aus Dortmund sagen, er sei kein Deutscher, weil er „Ruhrpott“ ist. 🙄
Kristian Krokslett
29 12 25 / 18:33Die kulturelle Diversität in Nordrhein-Westfalen ist einzigartig in Deutschland. Die Unterschiede zwischen Westfalen, Rheinland und Ruhrgebiet entsprechen nicht nur sprachlichen, sondern auch sozialen und wirtschaftlichen Strukturen. Die Industrialisierung im Ruhrgebiet hat eine Arbeiterkultur geschaffen, die sich von der ländlichen, protestantisch geprägten Westfalens unterscheidet. Die rheinische Lebensart hingegen ist stark von katholischer Tradition und französischer Einflussnahme geprägt. Diese Faktoren erklären, warum eine einheitliche Bezeichnung nicht funktioniert – und warum sie auch nicht gewollt sein sollte.
Gunnar Bye
30 12 25 / 16:12Leute, ich bin aus Köln und sag immer: Ich bin Rheinländer. Punkt. 😎 Wenn mich jemand als NRWler anspricht, sag ich: „Du meinst, ich bin ein Verwaltungsprodukt?“ 😂 Meine Oma hat noch mit dem Pferd zur Arbeit gefahren, und jetzt soll ich mich nach einem 1946er Gesetz benennen? Nein danke. Kölsch is nicht nur Bier, das is eine Lebensweise. 🍻
Kristine Lou
1 01 26 / 05:42ich hab mal in essen gewohnt und die da sagen immer „ruhrpott“ und nicht westfale… das hat mich verwirrt weil ich dachte westfalen is alles… aber nee, das is ne andere welt 😅
espen solheim
2 01 26 / 16:45Ich hab in der Schweiz gewohnt und da fragt keiner, woher du kommst – du bist einfach Schweizer. Aber hier in NRW? Da fragt man: „Bist du Westfale? Rheinländer? Ruhrpott?“ Und das ist doch toll! Das zeigt, dass die Leute sich noch an ihre Wurzeln erinnern. Respekt. 👏
Andreas Krokan
3 01 26 / 03:31Ich bin aus Düsseldorf und sag immer Rheinländer. Aber ich hab ne Freundin aus Bielefeld – die sagt, sie is Westfale, und wenn du sie „NRWler“ nennst, guckt sie dich an, als wärst du ein Außerirdischer. 😅 Ich find’s cool, dass die Leute so stolz auf ihre Heimat sind. Nur bitte, lasst die Rechtschreibung in Ruhe – „Bielefeld“ schreibt man mit zwei L, nicht mit einem. 🤦♂️
John Boulding
4 01 26 / 18:09Wenn du in Lippe bist, und jemand sagt „Westfale“, dann sag ihm: „Nein, ich bin Lipper. Und wenn du das nicht verstehst, dann geh zurück nach Berlin.“ 😎 Die Lipper haben sogar ihr eigenes Bier. Und nein, das ist kein Witz. Das gibt’s wirklich. Und es schmeckt besser als Kölnisch. Punkt.
Peter Rey
5 01 26 / 07:28Was für ein Aufwand. Ein Bundesland mit drei Identitäten und einer, die keiner will. Die Deutschen lieben es, sich in kleine Gruppen zu teilen – damit sie sich dann darüber streiten können. 🤷♂️ Aber hey, wenigstens gibt’s hier kein Problem mit der Sprache. Wer sagt „Kölsch“ und wer sagt „Rheinisch“ – das ist das einzige, was wirklich zählt.