Als Nordrhein-Westfalen 1946 gegründet wurde, stand die Frage nach der Hauptstadt nicht auf der Tagesordnung - sie war schon entschieden. Doch die Wahl fiel nicht auf die größte Stadt, nicht auf die wirtschaftlich stärkste, und auch nicht auf die historisch bedeutendste. Sie fiel auf Düsseldorf. Warum? Und was war vorher? Die Antwort ist nicht so einfach, wie es klingt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verschmolzen die britische Besatzungszone die Provinz Nordrhein mit der Provinz Westfalen zu einem neuen Bundesland: Nordrhein-Westfalen. Beide Teile hatten eigene Traditionen, eigene Städte, eigene Identitäten. Köln war katholisch, kulturell lebendig, mit einer alten Universität. Düsseldorf war protestantisch, eher bürokratisch, aber mit einem starken Verwaltungsapparat. Und dann war da noch Dortmund - die wirtschaftliche Kraftzentrale des Ruhrgebiets.
Es gab keine klare Mehrheit für eine Stadt. Die Briten, die die Verwaltung übernommen hatten, suchten nach einem Kompromiss. Sie wollten eine Stadt, die nicht zu sehr mit dem alten Preußen assoziiert wurde, aber auch nicht zu sehr von einer anderen Region dominiert wurde. Düsseldorf bot sich an: Es war groß genug, um Verwaltung zu tragen, aber nicht so dominant wie Köln oder Dortmund. Und es hatte bereits eine funktionierende Landesverwaltung - die ehemalige preußische Regierung für die Rheinprovinz saß dort.
Am 21. August 1946 unterzeichnete der britische Militärgouverneur die Verfassung von Nordrhein-Westfalen. In Artikel 1 stand klar: "Die Landeshauptstadt ist Düsseldorf." Keine Abstimmung, kein Referendum. Die Entscheidung kam von oben. Und doch war sie nicht willkürlich. Die preußische Regierung der Rheinprovinz hatte seit 1815 ihren Sitz in Düsseldorf. Nach dem Krieg blieb das Gebäude, das heute das Landeshaus heißt, erhalten. Die Beamten, die damals gearbeitet hatten, blieben in ihren Ämtern. Die Infrastruktur war da. Die Bürokratie funktionierte.
Köln hatte zwar eine größere Bevölkerung und eine stärkere kulturelle Ausstrahlung, aber die Stadt war nach dem Krieg fast vollständig zerstört. Die Straßen waren Trümmer, die Rathäuser ein Haufen Steine. Düsseldorf war zwar auch beschädigt, aber nicht so schwer. Die Verwaltung konnte weiterarbeiten - ohne große Umzüge, ohne monatelange Bauarbeiten. Es war eine pragmatische Entscheidung. Keine romantische, keine symbolische. Eine, die funktionierte.
Bevor Nordrhein-Westfalen existierte, gab es keine einzige Hauptstadt, die beide Regionen vereinte. Die Rheinprovinz hatte Düsseldorf als Regierungssitz. Westfalen hatte Münster als Verwaltungszentrum. Und das war’s. Es gab keine übergeordnete Landeshauptstadt, weil es kein Land gab. Die Idee, beide Provinzen unter einem Dach zu vereinen, war erst nach dem Krieg entstanden.
Einige Historiker argumentieren, dass Münster eigentlich die logischere Wahl gewesen wäre - es war zentraler, ruhiger, weniger belastet durch Kriegsschäden. Aber Münster war klein, hatte kaum Infrastruktur für eine Landesregierung. Und es war nicht der Sitz einer bestehenden Verwaltung. Düsseldorf hatte das: Gebäude, Personal, Akten, Telefonleitungen. Es war die einzige Stadt, die sofort einsatzbereit war.
Köln war lange der stärkste Konkurrent. Die Stadt hatte eine alte Universität, eine bedeutende Kirche, einen großen Hafen und eine starke Identität. Viele Kölner hielten Düsseldorf für eine "Bürokratenstadt" - kalt, unpersönlich, ohne Seele. Die Frage, ob Köln die Hauptstadt werden sollte, wurde in den 1950er Jahren immer wieder aufgeworfen. Es gab sogar eine Petition mit über 100.000 Unterschriften.
Doch die Politik blieb standhaft. Ein Umzug wäre teuer gewesen. Die Landesregierung hatte sich in Düsseldorf eingerichtet. Die Ministerien saßen in den alten Gebäuden. Die Beamten lebten dort. Die Kosten für einen Umzug nach Köln lagen damals bei über 1 Milliarde Deutsche Mark - ein Betrag, den das Land nach dem Krieg nicht aufbringen konnte. Und dann kam noch ein weiterer Faktor: Düsseldorf war die einzige Stadt, die beide Regionen ausgleichen konnte. Köln war zu sehr mit dem Rheinland verbunden. Düsseldorf galt als neutrales Zentrum.
Heute ist Düsseldorf die Hauptstadt von Nordrhein-Westfalen - und das seit fast 80 Jahren. Die Landesregierung sitzt im Landeshaus am Heinrich-Heine-Allee. Der Landtag tagt im ehemaligen preußischen Landtag, einem prächtigen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert. Die meisten Ministerien sind in der Innenstadt oder in der Nähe der Medienhochburg untergebracht.
Es gibt heute kaum noch Diskussionen darüber, ob Düsseldorf die richtige Wahl war. Die Stadt hat sich als Verwaltungszentrum etabliert. Sie hat ihre eigene Identität als politisches Zentrum entwickelt - unabhängig von Köln oder Dortmund. Und trotzdem: Viele Einwohner von Köln fühlen sich noch heute benachteiligt. Sie sagen: "Wir haben die Kultur, die Geschichte, die Wirtschaft. Warum sitzt die Regierung nicht bei uns?"
Doch die Antwort bleibt dieselbe: Weil es damals praktischer war. Weil die Bürokratie bereits da war. Weil es nach dem Krieg nicht um Symbolik ging, sondern um Funktionalität. Und weil Düsseldorf, obwohl es nicht die größte oder schönste Stadt war, die einzige war, die sofort bereit war.
Wenn Sie heute nach Düsseldorf fahren, können Sie noch die Spuren dieser Entscheidung sehen. Das Landeshaus ist heute ein moderner Verwaltungskomplex, aber der alte Regierungsflügel aus dem 19. Jahrhundert steht noch. Der Landtag hat seinen Sitz im ehemaligen preußischen Landtag, einem Gebäude mit Säulen und Kuppel, das an die Zeit des Kaiserreichs erinnert. Die Straße, auf der die Ministerien sitzen, heißt heute "Landeshausstraße" - kein Zufall.
Ein kleiner, aber bedeutender Hinweis: Auf dem Dach des Landeshauses steht eine große, goldene Skulptur - ein Adler mit ausgebreiteten Flügeln. Er ist das Wappen des Landes. Und er blickt nach Osten - in Richtung der ehemaligen preußischen Provinz. Ein Symbol dafür, dass Düsseldorf nicht nur die Hauptstadt von heute ist, sondern auch die Verbindung zu dem, was war.
Es gibt heute keine Bewegung, die einen Umzug der Landeshauptstadt fordert. Die Kosten wären astronomisch. Die politischen Widerstände zu groß. Und die Bevölkerung hat sich an Düsseldorf als Zentrum gewöhnt. Selbst in Köln, wo die Leidenschaft für die eigene Stadt groß ist, akzeptiert man heute, dass die Regierung in Düsseldorf sitzt - auch wenn man es nicht immer gerne mag.
Düsseldorf ist keine Hauptstadt, die man liebt. Sie ist eine, die funktioniert. Und das war schon immer ihr größter Vorteil.
Düsseldorf war nicht immer die Hauptstadt, weil Nordrhein-Westfalen erst 1946 gegründet wurde. Vorher gab es die getrennten Provinzen Rheinland und Westfalen, die jeweils eigene Verwaltungszentren hatten - Düsseldorf für das Rheinland und Münster für Westfalen. Erst mit der Neugründung des Landes wurde Düsseldorf als Hauptstadt festgelegt - nicht durch Volksabstimmung, sondern durch politische Entscheidung der britischen Besatzungsmacht.
Köln war ein starker Kandidat, hatte eine größere Bevölkerung und eine reiche Kultur. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg war die Stadt fast vollständig zerstört. Die Infrastruktur war zerstört, die Verwaltung funktionierte nicht mehr. Düsseldorf hingegen hatte seine Regierungsgebäude weitgehend intakt behalten und bereits ein funktionierendes Verwaltungssystem. Ein Umzug nach Köln wäre teuer und zeitaufwendig gewesen - und die Briten wollten eine schnelle, stabile Lösung.
Nein, es gab nie eine offizielle Abstimmung oder Volksbefragung. Die Entscheidung für Düsseldorf wurde 1946 von den britischen Besatzungsbehörden und den damaligen politischen Führern des Landes getroffen. Obwohl es später Petitionen mit über 100.000 Unterschriften für Köln gab, wurde die Entscheidung nicht revidiert - vor allem wegen der hohen Kosten und der stabilen Verwaltungsstruktur in Düsseldorf.
Münster war das traditionelle Verwaltungszentrum von Westfalen und zentraler gelegen. Doch die Stadt war zu klein, um eine Landesregierung mit allen Ministerien und Behörden zu beherbergen. Es fehlte an ausreichendem Platz, an moderner Infrastruktur und an bestehenden Regierungsgebäuden. Düsseldorf bot bereits die nötige Ausstattung - und war damit die einzige praktikable Option.
Heute ist Düsseldorf nicht nur die politische, sondern auch die administrative Hauptstadt von Nordrhein-Westfalen. Obwohl Köln kulturell und wirtschaftlich stärker ist, hat Düsseldorf sich als stabiles Zentrum der Landesverwaltung etabliert. Ein Umzug wäre heute so teuer und komplex, dass er politisch und finanziell unmöglich wäre. Die meisten Einwohner akzeptieren das - auch wenn die Diskussion gelegentlich wieder aufkommt.
Niklas Lindgren
13 12 25 / 05:04Düsseldorf? Pff. Das ist doch nur eine Verwaltungsgrube mit teuren Anzügen und wenig Charakter. Köln hat Kultur, Herz und Geschichte - und die haben die Briten einfach ignoriert, weil sie bequem waren. Typisch deutsche Bürokratie: Keine Seele, nur Akten.
Ulrich Sander
14 12 25 / 19:38Manchmal denke ich… ist Düsseldorf nicht nur die Hauptstadt, sondern das letzte Relikt einer Welt, die nicht mehr existiert? Ein Ort, der nicht liebt, aber funktioniert. Ein Adler auf dem Dach, der nach Osten blickt - als ob er noch immer die Geister Preußens begrüßt. 🤔
Nick Ohlheiser
16 12 25 / 16:26Ich find’s einfach nur bewundernswert, wie eine Stadt, die niemand ausgewählt hat, trotzdem so tief in der Seele des Landes verankert wurde… 🥹 Es ist nicht romantisch, aber es ist echt. Und das zählt mehr als alle Denkmäler von Köln. Danke, dass du das so klar geschrieben hast… das hat mich berührt.
Lieve Leysen
18 12 25 / 07:31Ich komme aus Belgien und hab das immer als so… interessanten Kompromiss gesehen 😊 Düsseldorf ist wie der ruhige Freund, der immer da ist, wenn man ihn braucht - und Köln? Der Partygast, der immer zu spät kommt… aber dafür mit mehr Bier 🍻
Brecht Dekeyser
19 12 25 / 12:16Leute… es war doch einfach nur die billigste lösung 😅 Kein umzug, kein bau, keine neuen büros. Die britischen soldaten haben sich gesagt: „Hey, die scheiße steht ja schon, nehmen wir die.“ Und jetzt sitzen wir hier und machen ein episches essay draus… lmao
Julia Wooster
21 12 25 / 03:03Es ist beschämend, dass man eine Stadt wie Düsseldorf, die niemals kulturell, historisch oder gar ästhetisch mit Köln konkurrieren konnte, als Hauptstadt ernannte. Dieser Entscheidung liegt eine tiefe Verachtung für die deutsche Identität zugrunde. Wer hat das zugelassen? Wer hat die Kultur verkauft? Ich schäme mich.
Herbert Finkernagel
23 12 25 / 00:23Die Briten haben Düsseldorf nicht gewählt. Sie haben es als Täuschungsmanöver genutzt. Die echte Hauptstadt war immer Köln. Düsseldorf wurde nur als Fassade installiert, um die westdeutsche Elite zu beruhigen. Die Akten? Geklaut. Die Gebäude? Beschlagnahmt. Die Wahrheit? Unterdrückt. Der Adler auf dem Dach? Ein Symbol der Besatzung.
Timon Ostertun
24 12 25 / 03:19Düsseldorf Hauptstadt? Wirklich? Ich dachte Münster war zentraler. Und warum redet keiner über Essen? Die Kölner Kölsch ist besser als die Düsseldorfer Altbier. Punkt. Endgültig.
Markus Paul
24 12 25 / 19:18Pragmatismus ist die letzte Lüge der Mächtigen. Düsseldorf ist kein Zentrum. Es ist ein Vakuum. Eine leere Hülle, in die man die Bürokratie gepresst hat. Die wahre Hauptstadt ist die Erinnerung an das, was nicht gewählt wurde.
Stefanie Barigand
25 12 25 / 12:01Wer sagt, dass Kultur nicht funktionieren kann? Köln hat die Kultur. Düsseldorf hat die Bürokratie. Und die Deutschen haben sich entschieden, die Seele zu verkaufen. Ich bin enttäuscht. Enttäuscht von der Geschichte. Enttäuscht von uns.
Hayden Kjelleren
26 12 25 / 12:43Ich hab das alles gelesen. Ich hab nichts zu sagen. Aber ich hab geweint. Nicht wegen Düsseldorf. Weil ich verstehe, dass manche Dinge einfach nur funktionieren - und das ist trauriger als jede Revolution.