Die Stadtplanung nach dem Krieg, die systematische Neugestaltung von Städten nach dem Zweiten Weltkrieg, um zerstörte Infrastrukturen und Wohnraum zu ersetzen. Auch in Oer-Erkenschwick war das keine Frage des Wollens, sondern des Überlebens. Nach 1945 standen nicht nur Häuser in Trümmern, sondern auch das ganze Leben der Menschen auf dem Kopf. Es gab keine Heizung, kaum Wasser, und die meisten Familien lebten in provisorischen Unterkünften. Die Lösung? Ein massives Wohnungsbauprogramm – und eine klare, einfache Vision: Jeder braucht ein Dach über dem Kopf, und zwar schnell.
Die Nachkriegszeit, die Phase zwischen 1945 und den frühen 1960er-Jahren, in der deutsche Städte von Grund auf neu aufgebaut wurden brachte neue Bauformen mit sich: Einfache, funktionale Wohnblocks aus Beton, oft mit fünf oder sechs Stockwerken, die man heute noch in den Straßen um den Bahnhof oder an der Hohenstraße sieht. Es ging nicht um Schönheit, sondern um Effizienz. In Oer-Erkenschwick wurden ganze Viertel wie das Gebiet um die Emscherstraße oder die heutige Friedrich-Ebert-Straße innerhalb weniger Jahre errichtet – mit Hilfe von Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und ehemaligen Soldaten, die keine andere Arbeit fanden. Die Stadt wurde nicht nur wiederaufgebaut, sie wurde vergrößert. Die alten, engen Gassen der früheren Dörfer Oer und Erkenschwick verschwanden hinter breiten Straßen und Reihenhäusern, die nach einem einheitlichen Muster standen.
Wohnungsbauprogramm, ein staatlich gefördertes Projekt zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in der Nachkriegszeit war der Motor. Die Bundesrepublik gab Geld, die Stadtverwaltung landete die Baupläne, und die Arbeiter legten die Steine. In Oer-Erkenschwick entstanden nicht nur Wohnungen – sondern auch Schulen, Kindergärten, eine neue Post und ein kleines Krankenhaus. Die Infrastruktur wurde nicht nach dem alten Muster, sondern nach modernen Standards geplant: Jede Wohnung bekam eine eigene Toilette, Wasseranschluss, und eine kleine Küche. Das war damals eine Revolution. Und es war notwendig: Bis 1955 wuchs die Einwohnerzahl um fast 50 Prozent – durch Flüchtlinge, Vertriebene und Arbeitskräfte, die für die Kohle- und Stahlindustrie kamen.
Die Ruhrgebietsentwicklung, die industrielle und städtebauliche Transformation des gesamten Ruhrgebiets nach 1945, mit Fokus auf Wohnraum, Verkehr und Arbeitsplätze hat Oer-Erkenschwick nicht isoliert verändert. Es war Teil eines größeren Ganzen – wie Bottrop, Gelsenkirchen oder Recklinghausen. Die Straßen führten nicht mehr nur zu den Bergwerken, sondern auch zu neuen Einkaufsmärkten und Buslinien. Die Stadt wurde nicht mehr nur ein kleiner Ort mit Kirche und Schule, sondern eine funktionierende Kommune mit klaren Strukturen. Und das ist bis heute spürbar: Wer heute durch die Plattenbauten der 1950er-Jahre läuft, sieht nicht nur Beton – er sieht die Antwort einer ganzen Generation auf den Verlust, die Zerstörung, die Angst.
Diese Zeit hat die Stadt geprägt – nicht nur mit Gebäuden, sondern mit Haltungen. Die Menschen lernten, zusammenzuarbeiten, Ressourcen zu teilen, und auf das Wesentliche zu achten. In den Artikeln unten findest du Geschichten dazu: Wie die ersten Wohnungen verteilt wurden, wer sie bewohnte, wie die Kinder in den neuen Siedlungen aufwuchsen, und warum manche Straßen bis heute denselben Namen tragen wie 1952. Es ist keine glorreiche Geschichte – aber eine echte. Und sie ist die Grundlage von dem, was Oer-Erkenschwick heute ist.
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