Rheinischer Dialekt: Was er wirklich ist und warum er in Oer-Erkenschwick noch lebt

Der Rheinischer Dialekt, eine Gruppe von mundartlichen Sprachformen im Rheinland und Teilen des Ruhrgebiets, die sich durch spezifische Aussprache, Wortschatz und Grammatik von Hochdeutsch unterscheiden. Auch bekannt als Rheinisch, ist er kein veraltetes Relikt, sondern eine lebendige Sprachform, die in Familien, auf dem Markt und in der Kneipe noch gesprochen wird. In Oer-Erkenschwick, mitten im Ruhrgebiet, trifft er auf den Westfälischen Dialekt – und das macht die Sprachlandschaft hier einzigartig. Wer hier aufgewachsen ist, kennt den Unterschied: Im Rheinland sagt man "Äh" zum Grüßen, im Westfalen "Na?" – und in Oer-Erkenschwick hört man manchmal beide. Das liegt nicht am Zufall, sondern an der Geschichte: Die Stadt liegt an der Grenze zwischen zwei Sprachregionen, und seit Jahrhunderten mischen sich die Einflüsse.

Der Westfälische Dialekt, eine niederdeutsche Sprachvariante, die in Westfalen und Teilen des Ruhrgebiets gesprochen wird und sich durch gedehnte Vokale und andere Lautverschiebungen von rheinischen Formen unterscheidet klingt härter, langsamer, mit mehr "a"-Lauten. Der Rheinische Dialekt, ein hochdeutscher Dialekt mit starkem Einfluss aus Köln, Düsseldorf und dem Niederrhein, der oft mit einer schnelleren Sprachmelodie und typischen Wendungen wie "et" statt "es" gesprochen wird hingegen ist flüssiger, melodischer, fast singend. In Oer-Erkenschwick gibt es keine klare Linie – du hörst Rheinisch bei den Älteren, die aus dem Süden stammen, und Westfälisch bei denen, deren Familien seit Generationen hier wohnen. Viele sprechen eine Mischform, die manchmal "Oer-Erkenschwickerisch" genannt wird – kein offizieller Name, aber eine echte Sprachidentität.

Warum bleibt das alles trotz Digitalisierung, Schule und Fernsehen noch erhalten? Weil es um Zugehörigkeit geht. Wer mit Oma "Köbes" sagt, statt "Kellner", oder "Jöö" statt "Ja", verbindet sich mit einer Geschichte, die nicht in Büchern steht, sondern in Alltagsgeschichten. Die türkische Gemeinschaft in Oer-Erkenschwick, die mit über 40 % den größten Anteil in ganz NRW hat, lernt diese Sprache oft durch Nachbarn, Kinder in der Schule oder beim Einkaufen – und manche sagen heute sogar "Moin" auf Türkisch. Das ist kein Widerspruch, sondern Integration – Sprache lebt von Begegnung.

Wenn du in Oer-Erkenschwick auf die Straße gehst, hörst du nicht nur Hochdeutsch. Du hörst die Spuren von Bergleuten, Fabrikarbeitern, Zuwanderern und Kindern, die sich eine eigene Sprache gebaut haben. Der Rheinische Dialekt ist hier nicht nur eine Redewendung – er ist ein Stück Identität, das sich nicht durch Gesetze oder Medien löschen lässt. In den folgenden Beiträgen findest du konkrete Beispiele, wie dieser Dialekt in der Praxis funktioniert, welche Begrüßungen noch heute üblich sind, und warum selbst junge Leute hier nicht einfach nur "Hallo" sagen.

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