Was wir heute als Deutschland, ein Land mit wechselnden Grenzen, Namen und politischen Formen, das erst nach dem Zweiten Weltkrieg seine moderne Gestalt erhielt. Auch bekannt als Bundesrepublik Deutschland, ist es kein festgelegter Raum, sondern eine Geschichte, die aus Kriegen, Teilungen und Neugründungen geschrieben wurde. Die Idee von Deutschland als einheitlichem Staat ist relativ jung. Vor 1871 gab es Dutzende kleine Fürstentümer, Königreiche und Freie Städte – kein einziges Land, sondern ein Sammelsurium aus Machtzentren. Erst der Deutsche Bund und später das Deutsche Reich schufen eine Form von Einheit – aber nie die vollständige nationale Identität, die viele heute vermuten.
Ein großer Teil dieser Geschichte spielt sich in Nordrhein-Westfalen, einem Bundesland, das 1946 von den Briten aus ehemaligen preußischen Provinzen und anderen Gebieten zusammengesetzt wurde. Auch bekannt als NRW, ist es kein altes Land, sondern ein Produkt der Nachkriegszeit. Hier entstand nicht nur die moderne Industrie, sondern auch die moderne Standardsprache – das sogenannte "reinste Deutsch" wird hier gesprochen, weil es sich aus den Verwaltungszentren des Rheinlands und Westfalens entwickelte, nicht aus Berlin oder München. Und genau hier, in Städten wie Oer-Erkenschwick, spiegelt sich diese Vielfalt wider: mit türkischen Nachbarn, deutschen Dialekten und einem Kfz-Kennzeichen, das nicht nach Berlin, sondern nach dem Kreis Recklinghausen benannt ist.
Das Heilige Römische Reich, ein vielfältiges, oft chaotisches Gebilde aus Hunderten von Territorien, das fast 850 Jahre lang existierte und als "Deutsches Reich" bezeichnet wurde. Auch bekannt als Römisch-Deutsches Reich, war es der Vorläufer der heutigen Bundesrepublik – aber ohne Zentralgewalt, ohne feste Hauptstadt und ohne einheitliche Sprache. Es war kein Land, wie wir es heute kennen, sondern ein Netzwerk aus Adligen, Klöstern und Handelsstädten. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als die Alliierten die alten Strukturen auflösten, entstand aus der britischen Besatzungszone das, was wir heute als Nordrhein-Westfalen kennen.
Und dann gibt es noch die Deutscher Bund, eine lose Vereinigung von 39 deutschen Staaten nach dem Zusammenbruch des Heiligen Römischen Reiches, die von 1815 bis 1866 existierte und als Vorstufe des Deutschen Reiches gilt. Auch bekannt als Bundesverfassung von 1815, war er kein Staat, sondern ein diplomatischer Pakt – ohne eigene Armee, ohne einheitliches Recht, ohne echte Macht. Doch er legte den Grundstein für die spätere Einigung. In diesem Bund entstanden erste Ideen von Nationalität – und genau hier, in den Ruhrgebieten, wurde später die Industrie geboren, die Deutschland zu einer wirtschaftlichen Macht machte.
Heute trägt jedes Auto in Oer-Erkenschwick das Kennzeichen KW oder ÖHR – und damit eine kleine Geschichte: Denn diese Buchstaben sind keine Zufälle. Sie sind Erinnerungen an Kreise, die vor 70 Jahren neu gezogen wurden, als Deutschland neu aufgebaut wurde. Sie zeigen, dass Deutschland nie nur eine Nation war – sondern eine Ansammlung von Orten, die ihre eigene Identität bewahrten. Und genau das ist es, was du in diesen Artikeln findest: keine abstrakten Theorien, sondern konkrete Geschichten – von Einwohnern, Kennzeichen, Schauspielern und Städten, die zeigen, wie tief die Geschichte in den Alltag eingewoben ist. Du wirst sehen, wie ein türkischer Nachbar in Oer-Erkenschwick genauso viel zu Deutschland beiträgt wie ein Filmstar mit deutscher Mutter. Und wie ein einfaches Kennzeichen mehr über Geschichte erzählt als jedes Schulbuch.
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