Was bedeutet es, deutsch-irisch, eine kulturelle und familiäre Verbindung zwischen Deutschland und Irland zu sein? Es ist nicht nur eine Frage der Herkunft, sondern von Alltag, Sprache und gemeinsamen Geschichten. Viele Menschen in Nordrhein-Westfalen tragen diese Doppelidentität – manchmal ohne es zu wissen. In Oer-Erkenschwick zum Beispiel leben Familien, deren Wurzeln in Irland liegen, während andere deutsche Vorfahren haben, die vor Jahrzehnten nach Irland ausgewandert sind. Diese Verbindungen sind oft unsichtbar, aber sie prägen Lebenswege, Namen und sogar Essgewohnheiten.
Die Beziehung zwischen Deutschland und Irland ist älter, als die meisten denken. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Iren nach Deutschland – nicht als Flüchtlinge, sondern als Arbeiter, die in der Wirtschaftswunderzeit gebraucht wurden. Sie fanden Arbeit in den Kohlegruben des Ruhrgebiets, in Fabriken und auf Baustellen. Viele blieben. Sie lernten Deutsch, heirateten Deutsche, bekamen Kinder. Ihre Kinder wiederum wuchsen mit beiden Kulturen auf: mit irischen Liedern am Sonntag und deutscher Sprache in der Schule. Und manchmal, wie bei Irmgard DiCaprio aus Oer-Erkenschwick, wurde aus einer deutschen Tochter eine Mutter, deren Sohn später weltberühmt wurde – und die Welt entdeckte, dass eine kleine Stadt in NRW eine Verbindung zu Hollywood hat.
Es gibt auch andere Wege: Deutsche, die nach Irland zogen – weil sie dort studierten, liebten oder einfach weg wollten. Manche kehrten zurück, brachten irische Wörter mit, bauten Häuser mit irischen Gärten, kochten Irish Stew am Wochenende. In Oer-Erkenschwick ist das kein Einzelfall. Die Stadt hat einen Anteil an Menschen mit irischem Migrationshintergrund, der kaum jemandem auffällt – aber er ist da. Und er ist lebendig. In Kirchen, in Musikvereinen, in Familienfeiern. Die Sprache ist oft verloren, aber die Erinnerung bleibt. Wer in der Hohenstraße wohnt, könnte einen irischen Urgroßvater haben. Wer im Verein Fußball spielt, könnte eine irische Großmutter haben, die jeden St. Patrick’s Day ein Glas Guinness trinkt – und dabei auf Deutsch erzählt, wie sie als Kind mit dem Zug nach Düsseldorf fuhr.
Es geht nicht um Statistiken. Es geht um Menschen. Um Namen, die sich verändert haben. Um Rezepte, die weitergegeben wurden. Um Fotos in alten Familienalben, die zeigen, wie jemand in einem irischen Dorf geboren wurde – und später in einem Haus in Oer-Erkenschwick starb. Diese Geschichten sind nicht in Lehrbüchern, aber sie sind real. Und sie gehören zu der Stadt, in der du lebst. In den Artikeln unten findest du konkrete Beispiele: Wer aus Irland kam, wer deutsch-irische Wurzeln hat, wie sich diese Verbindungen im Alltag zeigen – und warum sie heute wichtiger sind denn je.
Michael Fassbender ist deutsch-irisch: geboren in Deutschland, Vater aus Oer-Erkenschwick, Mutter aus Irland. Seine doppelte Herkunft prägt ihn als Mensch und Schauspieler - und verbindet eine kleine Ruhrgebietsstadt mit Hollywood.
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