Preußen, ein historischer Staat, der vom 18. bis zum 20. Jahrhundert Mitteleuropa prägte und dessen Verwaltung, Infrastruktur und Identität bis heute nachwirken. Auch in Oer-Erkenschwick, mitten im Ruhrgebiet, hinterließ Preußen Spuren – nicht mit Schlössern, aber mit Straßen, Bahnen und einer Haltung, die bis heute lebt.
Als Preußen im 19. Jahrhundert das Ruhrgebiet übernahm, ging es nicht um Romantik, sondern um Kohle, Eisen und Kontrolle. Oer-Erkenschwick war damals ein kleiner Dorf mit wenigen Hundert Einwohnern. Doch mit der Industrialisierung wurde es Teil eines größeren Systems: Preußische Behörden legten die ersten Straßen an, bauten Schulen und stellten die erste Polizei ein. Die Eisenbahn, die Preußen massiv ausbaute, verband Oer-Erkenschwick mit Dortmund, Recklinghausen und Essen – plötzlich war der Ort kein abgelegenes Dorf mehr, sondern ein Knotenpunkt im wirtschaftlichen Netz des Landes. Wer heute das Kennzeichen KW oder ÖHR auf einem Auto sieht, fährt mit einem Erbe der preußischen Verwaltung – denn diese Kennzeichen entstanden, als die preußische Provinz Westfalen in den 1950er-Jahren in den neuen Landkreis Recklinghausen umgewandelt wurde.
Preußen hat auch die Mentalität geprägt. Die Menschen hier arbeiteten hart, hielten sich an Regeln, bauten auf Ordnung. Das spiegelt sich heute in der Struktur der Stadt wider: klare Straßen, funktionale Gebäude, eine direkte Art zu kommunizieren. Kein Zufall, dass viele Einwohner von Oer-Erkenschwick bis heute sagen: "Wir sind kein Rheinländer, wir sind kein Westfale – wir sind was anderes." Und das ist preußisch geprägt. Auch die Integration von Zuwanderern, etwa aus der Türkei, geschah nicht zufällig – Preußen baute auf Arbeitskraft, nicht auf Herkunft. Wer 1960 in die Kohlegruben kam, bekam eine Wohnung, einen Lohn und einen Platz – egal woher er kam. Diese Pragmatik ist ein Erbe der preußischen Verwaltung, die Prioritäten kannte: Produktion, Ordnung, Stabilität.
Und heute? Preußen existiert nicht mehr – offiziell abgeschafft 1947. Doch in Oer-Erkenschwick lebt es weiter. In der Art, wie die Stadt verwaltet wird, wie die Straßen benannt sind, wie Menschen miteinander umgehen. Es ist nicht das Preußen von Königen und Feldherrn – es ist das Preußen der Arbeiter, der Beamten, der Nachbarn, die sich an die Regeln halten, weil es funktioniert. Wenn du in Oer-Erkenschwick durch die Hohenstraße gehst, wo Leonardo DiCaprios Oma wohnte, oder wenn du den Bahnhof nimmst, der noch immer nach preußischem Plan fährt – dann siehst du nicht nur einen Ort. Du siehst ein Stück Geschichte, das nie aufgehört hat, zu wirken.
Was du hier findest, sind Geschichten, die zeigen, wie Preußen – ohne große Reden – tief in das Leben von Oer-Erkenschwick eingesickert ist. Von den Kennzeichen über die Sprache bis zu den Menschen, die hier leben. Keine Theorie. Keine Fiktion. Nur das, was wirklich bleibt.
Deutschland hieß früher nicht immer so. Vom Heiligen Römischen Reich bis zum Deutschen Bund - die Geschichte des Landes ist geprägt von vielen Namen und politischen Formen. Nordrhein-Westfalen entstand erst 1946.
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