Kirche St. Marien
Nach 820 Jahren eine eigene Kirche

 Ulrich Müter, "Rapen, 850 Jahre historische Bauerschaft"

Bereits gesagt wurde, daß die Bauerschaft Rapen früher ausnahmslos katholisch war und zum Kirchspiel Datteln gehörte. Das heißt, man ging an Sonn- und Feiertagen nach St. Amandus, Datteln zur Meßfeier. Taufen, Vermählungen und Beerdigungen fanden in Datteln statt.

Umpfarrungen der Katholiken

Das änderte sich im Juli 1899. Damals wurde Rapen nach Horneburg umgepfarrt.  Eine zweite Änderung gab es im Jahr 1911, als die 1908 in Erkenschwick gegründet Gemeinde St. Josef selbständige Pfarre wurde. Ihr schlug man Teile Rapens zu. Die Ostgrenze der neuen Gemeinde verlief am Steinrapener Weg entlang von Schulte Hubbert bis zur Karlstraße und  umfaßte das Schulgrundstück. Die Grenze folgte dann der Karlstraße und der Pflaumenallee. Auch das Hofgelände der Dillenburg bis zur Holtgade kam damals zur Gemeinde St. Josef.

Rapen war also seit 1911 kirchlich zweigeteilt. Die Krikedill mit allen anderen Flächen östlich des Steinrapener Weges und südlich der Karlstraße gehörten weiterhin zur Horneburger Pfarrei St.Maria-Magdalena. Die Situation war in der Folgezeit für beide Teile Rapens recht kurios. Ältere Rapener wissen noch zu berichten, daß alle Toten von der südlichen Straßenseite des Kolven in Horneburg beerdigt wurden, und die von der anderen Straßenseite in Erkenschwick. Dadurch, daß die Schulen im Gebiet von St. Josef lagen, mußten alle katholischen Rapener Kinder nach St. Josef zur ersten hl. Kommunion und zur Schulmessse. Das galt auch für die katholischen Kinder, die kirchlich zur Horneburger Pfarre gehörten. Sonntag nachmittags mußten diese aber nach Horneburg zur Christenlehre.

Evangelische Christen

Mit der Bautätigkeit nach 1900 und der damit verbundenen Bevölkerungsvermehrung änderte sich das bisherige religiöse Gefüge. Neuzugezogene evangelische Christen in beachtlicher Zahl wollten hinfort mit Recht ihre Religion in einer eigenen Gemeinde ausüben. Seit 1908 besteht mit St. Johannes eine evangelische Gemeinde in Erkenschwick, zu der auch die Rapener Protestanten gehören.

Katholische Kirche wird gebaut

Um auch für Rapen natürliche Seelsorgverhältnisse zu schaffen, begann man bereits 1920 auf den Bau einer katholischen Kirche in Rapen hinzuwirken. Eine schriftliche Anfrage des Generalvikars vom 6. März 1930 scheint das zu bestätigen.  1950 entstand dann in Rapen ein Kirchbauverein, dessen Mitglieder ab Januar 1951 fleißig für den Neubau Geld sammelten. Auf der Gründungsversammlung am 3. Adventsonntag 1950 wurden darauf hingewiesen, "daß die wachsende Seelennot und die Verwahrlosung der Jugendlichen den Ortsteil Rapen dazu zwinge, den Gedanken aufzugreifen, ein eigenes Gotteshaus zu errichten".  Vorsitzende des Kirchbauvereins waren Obersteiger a. D. Bruno Alt sen. bis 1956, Lehrer Wilhelm Heimann bis zu seinem Tode am 15. September 1962 und danach Landwirt Bernhard Notarp sen.. Zwischen 1954 und 1960 veranstaltete der Kirchbauverein unter Mitwirkung der ganzen Rapener Bevölkerung sogenannte "Waldfeste" in Hübners Busch, deren  R






Bischof Reinhard Lettmann  2. v.l. am
27. Februar 1994 vor der St. Marien; Pfarrer Bernhard Liesner (3.v.l.)
einerlöse für den Kirchbau bestimmt war. Ab 1955 erwarb man Grundstücke von den Landwirten Notarp und Jeismann und von anderen Anliegern. Der erste Spatenstich erfolgte am 10. Mai, die Grundsteinlegung am  7. September 1962. Ein Jahr später, am 29. September 1963, konnten die 4 Glocken geweiht und im Turm montiert werden. Bruno Alt jun. hatte sie mit seinem LKW aus Bochum geholt. Die große Glocke ist auf Jesus Christus, die folgenden sind auf die hl. Gottesmutter Maria, den hl. Josef und den hl. Ludgerus geweiht worden. In den Altar der neuen Kirche ließ man Reliquien der hl. Ursula und der hl. Faustina ein.

Nach 820 Jahren eine eigene Kirche

Am 15. Dezember 1963 kam Bischof Josef Höffner mit seinem Kaplan Reinhard Lettmann (jetzt Bischof Reinhard von Münster) zur Einweihung der neuen St. Marien-Kirche nach Rapen. Mit ihrem hohen Turm ist sie seitdem ein unübersehbares Wahrzeichen. Mehr als 820 Jahre waren seit der ersten Nennung der historischen Bauerschaft Rapen vergangen.

 

 

 

Nun erst hatte man eine eigene katholische Kirche.

 
Katholisch Kirche St. Ma
Am 15. Januar 1965 erhielt St. Marien die Rechte einer Pfarrei. Josef Frieling wurde der erste Pfarrer von Rapen. Er starb plötzlich am 4. September 1974. In Rapen hat er bleibende Spuren hinterlassen, weil er während seiner Amtszeit einen zweiten Rapener Mittelpunkt neben den Schulen aufbaute. Ihm folgte Pfarrer Bernhard Liesner, der vom 24. Oktober 1974 an bis auf den heutigen Tag Seelsorger der Rapener Katholiken ist. Er ist ökumenisch eingestellt und gibt auch evangelischen Christen eine Heimstatt in St. Marien. In den bald 20 Jahren seines Hierseins hat er als Seelsorger und als Pfarrer in der Kirche und im Pfarrheim für alle Gruppierungen Rapens, seien es Jugendliche oder Alte, Katholiken oder Mitglieder anderer Konfessionen, für Neuankömmlinge oder Alteingesessene und für alle Benachteiligten eine Heimstatt und einen Begnungort geschaffen.

Am Schluß des Berichtes über St. Marien sollten

wir uns nochmals an all jene erinnern, die einen Beitrag zum Bau der Kirche und zur Einrichtung der Gemeinde geleistet haben. Viele erbrachten ihren Teil, auch in den Nachbargemeinden, vor allen Dingen in St. Josef. Pfarrer Ludger Hartmer (*9.12.1899 +17.7.1986) von St. Josef war Bauherr von St. Marien. Denken wir dankend an ihn und die anderen vielen ungenannten Helfer und Spender, die dazu beitrugen, daß auch in Rapen täglich Glocken läuten, und daß wir eine "Kirche im Dorf" haben.

Andere christliche Glaubensgemeinschaften

 

Christen, die sich nicht zu den beiden großen Volkskirchen zählen, müssen außerhalb Rapens ihre Versammlungsstätten aufsuchen. Eine Ausnahme machen hier die Zeugen Jehovas, welche schon seit 1950 einen eigenen Gemeindesaal  an der Wittlohstraße besitzen.

Moslemische Glaubensgemeinschaft

 

Zuerst in kleiner Zahl, dann aber verstärkt, zogen türkische Arbeiter, meist im Bergbau beschäftigt, mit ihren Familien nach Rapen. Im Bereich Berg-, Waldstraße, Holtgarde wohnen viele von ihnen schon seit über zehn Jahren. Sie gehören  ausnahmslos dem moslemischen Glauben an. Aus eigener Kraft haben sie inzwischen drei Versammlungsstätten eingerichtet. Diese befinden sich an der Klein-Erkenschwicker-Straße 233 im früheren Friseurgeschäft Röthig, an der Holtgarde 9 in der vormaligen Gaststätte Tillmann und an der Werderstraße im gewesenen Lokal "Zum Eisernen Heinrich" Chodan.

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