Rapen und die Diller Mark
Gerhard Clarenbach
85o Jahre historische Bauerschaft Rapen


Die Diller Mark heute und früher
Auf dem Messtischblatt 4309 Recklinghausen findet sich die Bezeichnung "Diller Mark" etwa bei 28 rechts / 86 hoch. Früher muss sie ein weit größeres Gebiet umfasst haben, etwa von Erkenschwick/Rapen im Süden bis zum Baggerloch (Flaesheim) im Norden, westlich begrenzt von der Oerer Mark (Peters Heide, Großer Grund) und östlich von den Bockumer und Ahsener Gebieten (Die Mark, Dummberg, Gerne). Genaue Grenzen hat es wohl in alter Zeit nicht gegeben. Die erste Karte zeichnete Broux 1808 (vor der Teilung), da war sie aber schon wesentlich durch Abtrennung der Heimöden (zu den Bauerschaften gerechnete Gebiete) verkleinert.

 

Frühe Nachrichten (bis ca. 1800)
Auf die Verhältnisse in der Diller Mark durch die Jahrhunderte, auf die Zerstörung durch Holzfrevel, Waldhude ect. will ich hier nicht eingehen, sondern mich auf Nachrichten über Rapen beschränken. Die ältesten Diller Markenprotokolle, die mir vorliegen, stammen aus der Zeit von 1532 bis 1606.[1] Sie wurden angeblich aus einem alten Markenprotokollbuch abgeschrieben und stehen möglicherweise im Zusammenhang mit dem langen Markenrichterstreit zwischen den Äbtissinnen von Flaesheim und den Herren Westrem von Gutacker.

Von 1559 bis 1593 war Elisabeth von Westrem Äbtissin von Flaesheim. Damals ist die Verwaltung der Diller Mark vielleicht wie ein Familienunternehmen der Westrems geführt worden, wobei Elisabeth hinter Johan, später Dietrich von Westrem zurücktrat. Dies könnte den Anspruch der von Westrems auf das Markenrichteramt erklären, was später, als andere Äbtissinnen in Flaesheim residierten, zum Streit führte. In den Protokollen erscheint jedenfalls der jeweilige Herr von Westrem als Markenrichter. Je ein Scherner kam aus den Bauerschaften Leven, Erkenschwick und Rapen, dazu der Erbscherner Schulte-Bockum aus Bockum. Als Scherner aus Rapen werden genannt: 1537 Breimann, 1540 Plumpe, 1556 und 1600 Paßmann. 1666, als der Markenrichterstreit angefangen hat, wird ebenfalls ein Paßmann als Scherner genannt.[2]

Auch bei späteren Holzgerichten nehmen natürlich Rapener als Markgenossen teil. 1754 sind es Henrich Plumpe, Henrich Lötte, Herman Breiman, Adolph Henrich Wießmann, Dietrich Buerstedde, Henrich Winkelmann, Diederich Paßman, Joan Henrich Lindemann, Wilhelm Neiß(?) und Jobst Sprenger.

1770 werden genannt: Schulte Caspar Hubbert, Adolph Henrich Wießmann, Jürgen Lötte, Joan Henrich Plumpe, Herman und Nicolaß Grein (?), Henrich Hockenbrink, Joan Berndt Winkelmann, Mueß, Dahlhaus und Phillipsmann.

1779 ist Plumpe Scherner.[3] Als Teilnehmer am Hölting werden Joan Henrich Lötte, Jürgen Lindemann, Sprenger und Wiesmann erwähnt.

1786 zeigt Scherner Plumpe an, daß er Clara Wilms aus Erkenschwick bei der Brechung kleiner Steine in der Mark erwischt und ihr die Hacke pignoriert (gepfändet) hat.[4]


Rapen und die Teilung der Diller Mark
Bei den Teilungsverhandlungen, die sich von 1800 bis 1812 hinzogen, waren die Rechte der Rapener Bauern unumstritten. Nur dem Kötter Phlipsmann (Phillipsman) wurden sie kurzzeitig bestritten, dann aber doch anerkannt.[5]Lediglich der Wunsch der Rapener, ihre Heimöde bis an den Stimberg auszudehnen, stieß auf den Widerstand der  herzoglichen Domäneninspection (HAA.ILNr.89+VIII E Nr. 11, S. 122). Sie schlossen sich damit allerdings mehr den Klein-Erkenschwickern an, und als deren Verlangen abgewiesen wurde, war damit auch der Wunsch der Rapener erledigt.

Weniger Einigkeit zwischen den beiden Bauerschaften fand sich an anderer Stelle.[6] Die Klein-Erkenschwicker hatten Umwallungen eines von den Rapenern angelegten Zuschlages zerstört, was zu einem Prozeß führte.

Bei der Teilung 1812 erhielten Rapener große Teile der Diller Mark vom Schöttelberg/Küsberg bis fast zur Gerne. An erster Stelle muß hier der Neu-Rapener Regierungsrat Bracht, der Erbauer der Dillenburg, genannt werden. Er erhielt 2 und  5/6 Bauernquote (1 BQ = 53 Scheffel), ansonsten je eine Quote die Bauern Passmann, Dahlhaus, Wiesmann, Lindemann, Winkelmann, Breimann, Lötte und Plumpe. Buerstedde und Hockenbrink teilten sich eine Quote, ebenso Mues, Sprenger und Phillipsmann.

Erwähnt soll hier auch Schulte-Hubbert werden, der zwar rechtlich zu Groß-Erkenschwick gehörte, die meisten seiner Ländereien aber in Rapen hatte und sich wohl auch dort zugehörig fühlte.  


Karte der "Diller Mark" von Broux im Jahre 1808 vor der Teilung
angefertigt; Archiv der Stadt Recklinghausen HAA I L Nr. 125, S. 99

Die besondere Bedeutung des kurfürstlichen Hofrates und späteren Regierungsrates Bracht
Schon beim Hölting 1801[7], als wohl zum ersten Male ernsthaft über die Teilung der Diller Mark gesprochen wurde, war Bracht als domkapitularischer Verwalter ein Befürworter, ja Anreger. Man darf ihn auch später als den "Motor" der Teilung bezeichnen. Eine Leistungsrechnung Brachts vom 18. Januar 1811 ist erhalten[8]: "Für meinen Entwurf vorläufiger Gedanken über das Teilungsgeschäft rechne ich nichts", schreibt er zu Anfang. Dann aber zählt er eine Fülle von Auslagen für diverse Kopien, Schreiben, Pferdevermietungen, Vermessungen ect. auf, die er, in Vorlage gehend, wohl größtenteils schon bezahlt hatte. Immerhin kommen 55 Reichstaler und 51 1/2 Stüber zusammen.  

Als die Teilung 1811 nach Erstellung des Teilungsregisters[9] durch die politischen Ereignisse stockte, war er es in erster Linie, der den Teilungskommissar Rive gewann, die Teilung zu Ende zu bringen[10].

Am 4. April 1812 wurde das Teilungsprotokoll unterzeichnet und die Teilung damit rechtswirksam[11]. Sicherlich war bei Bracht auch in erheblichem Maße persönliches 

Diller Mark

Gewinnstreben im Spiel. Ca. 1808 (?) hatte er große Teile des Gutes Gutacker mit den Diller-Mark-Rechten erworben, so dass er neben dem Herzog von Arenberg als Besitzer der Mark auftreten und entsprechend große Teile beanspruchen konnte. Der Dattelner Bürgermeister Reif bestätigte ihm, dass er die Rechte des Hauses Gutacker bei der Odilienburg (?) "privative und ausschließlich" erworben habe[12].

In einem Brief an die Teilungskommission vom 2. Juli 1809[13] zählte Bracht alle Rechte auf. Er erwähnte auch zwei aufgelöste Bauerngüter aus der "Gutackerschen Hofesstaat ", deren Rechte ebenfalls auf ihn übergegangen wären. Die umstrittenen Steinbruchrechte auf dem Stimberg überließ er schließlich dem Herzog von Arenberg im Tausch gegen 25 Scheffel Heideboden.

 

Die Entwicklung der Mark nach der Teilung
Da die Bauern zur Ablösung der gutsherrlichen Rechte viel Geld benötigten, mussten sie große Teile des erworbenen Landes abgeben. Hier will ich die Entwicklung nur an einem Beispiel aufzeigen.

Passmann muss zur Ablösung der Rechte des Herzogs von Arenberg fast alles verkaufen. Nach Hofunterlagen des "Pashmann-Gutes" (heute Jeismann), die Ulrich Müter aufgearbeitet und übertragen hat, erhielten nach dem Testament vom 8.2.1820 der Regierungsrat Bracht 9 Scheffel, Gremm 6, Honecker aus Klein-Erkenschwick 11 und Stimberg zu Bockum 15 Scheffel, so daß Passmann nur noch 12 Scheffel verblieben. Die erscheinen dann auch in dem Katasterauszug von 1834 als Heidegrund "Hinter dem Stimberg", 1913 als Holzgrund (beide Grundbuchauszüge von Ulrich Müter übertragen).

Bracht und der Herzog von Arenberg haben große Teile der Mark erworben und aufgeforstet. Nach einem Schriftstück[14] wurden die Brachtschen Erwerbungen zwischen 1830 und 1856 mit Schwerpunkt um 1842 aufgeforstet, und zwar hauptsächlich mit Kiefern. Als 1863, nach dem Tode von Bracht, die Dillenburg an den Herzog von Arenberg verkauft wurde, fielen diesem auch diese Stücke zu. Noch später wurden Zechengesellschaften Besitzer, heute gehören weite Teile dem KVR (Kommunalverband Ruhrgebiet).


Überreste aus alter Zeit
Mit Tonis Grebe, der als Vermesser über einschlägige Kenntnisse verfügt, habe ich im Gelände nach Überresten der Markenteilung aus alter Zeit  gesucht, und wir sind fündig geworden. Schon auf der Grundkarte sind Teilungslinien erkennbar. Die alte Teilungskarte von 1811 des Vermessers Randebrock aus dem Archiv in Recklinghausen half uns sehr, aber auch andere Karten aus späterer Zeit.

So konnten wir Gräben und Wälle in der Diller Mark deuten, fanden aber auch alte Grenzsteine. Noch erhaltene Grenzwälle Rapener Bauern finden sich z.B. südlich des Stimberges, nördlich auch ein Wiesmann-Wall mit alten Grenzsteinen. So kann dem kundigen Wanderer der Boden der Diller Mark noch vieles aus alter Zeit verraten.


Anmerkung des Herausgebers
Herr Gerhard Clarenbach, der Verfasser diese Artikels, war Leiter einer Grundschule. Er arbeitet in seiner Freizeit für den Naturschutz. Sein besonderes Interesse gilt dabei auch historischen Aspekten der natürlichen Lebensräume. Die Geschichte der Diller Mark arbeitete er besonders deshalb auf, weil es sich hier um ein zusammenhängendes Gelände handelt, dessen alte Grenzen heute noch exakt bestimmbar sind. Weiterhin regte ihn an, dass die Mark bis heute nicht wesentlich verändert wurde, abgesehen von Aufforstungen seit dem letzten Jahrhundert. Außerdem gibt es einen sehr großen Bestand an schriftlichen Zeugnissen über die vielen Jahrhunderte der Markennutzung, z. B. Verträge, Karten und Protokolle. Durch seine Arbeiten konnte Herr Clarenbach auch einige in der älteren Literatur geäußerte Vermutungen richtig stellen. Beispielsweise wies er nach, dass einige Wälle in der Diller Mark erst im letzten Jahrhundert entstanden und zwar als Einfriedigungen für Schonungen und als Besitzabgrenzungen.


[1] HAA VIII E Nr.11 S.454 ff
[2] HAA IL Nr. 16, S. 76
[3] VIII E. Nr.11 S 1/2
[4] HAA VIII E. Nr. 11, S.1
[5] HAA IL 89 Fasc.4 S. 7
[6] HAA IL Nr.124, S.1
[7] HAA VIII E Nr.11, S.473
[8] HAA VIII E Nr. 11, S. 19
[9] HAA IL Nr. 131
[10] HAA VIII E. Nr. 11, S. 30
[11] HAA IL Nr.89 Fasc.3, S. 34 F
[12] HAA VIII E Nr. 11 S.152
[13] HAA VIII E Nr. 11 S.154
[14] HAA IX 1350

(C) by  Karl-Heinz Wewers / WEBDESIGN