1692 Der Bericht des Jägers Hermann Bockelkamp an den Kurfürsten und die Folgen
(Hauptsächlich nach  HAA IL Nr. 6 )
Gerd Clarenbach


In einem undatierten Brief (1692?) schreibt der Jäger Bockelkamp an den Kurfürsten, dass die Diller Mark „dergestalt verhauen werde, dass bergs und thäler allenthalben kaehl undt oed liggen, auch sich kein Wildbrett mehr darinnen aufhalten und verbergen möge.“ Zur Erhaltung der kurfürstlichen Wildbahn (Der Kurfürst hatte in der Haard die hohe Jagdgerechtigkeit!) schlägt er ein Holzungsverbot auf 5 Jahre vor. Vergehen dagegen sollen mit der sehr hohen Strafe von 25 Goldgulden belegt werden.

Wenn es um die Jagd ging, verstand der Kurfürst Clemens August keinen Spaß. Am 31.3. 1692 richtete er ein scharfes Schreiben an den zuständigen vestischen Oberholzinspektor Von der Renne. Persönlich macht er ihn für die Zustände verantwortlich, besonders auch, weil sein Untergebener, der Verwalter Kolchenbroich, wegen verbotenen Holzhauens angezeigt wurde. Schnellstens soll er einen detaillierten Bericht liefern, ua. wie es zu diesen Zuständen kommen konnte und wer dafür verantwortlich sei. 

Nun setzt eine hektische Betriebsamkeit in der Haard ein. Mit dem Notaren Johann Bierbaum, den Förstern (sonst Scherner genannt!) der Oerer Haard Henderich Ludbrock und Henderich Koop, den Markgenossen bzw. gewesenen Förstern Jost Welman, Johan Beckman und Henderich Bertels begibt er sich in die Haard und liest ihnen dort den Brief des Jägers Bockelkamp vor. Empört weisen die Markgenossen die Vorwürfe zurück. Seit 30 und mehr Jahren schlügen sie nicht einmal das ihnen rechtmäßig zustehende Holz  zum Bau und Brand. Das Wild fände in der Haard noch genügend Möglichkeiten, sich zu verbergen. Dass die Haard zunehmend verhauen würde, mussten sie allerdings zugeben. Dafür verantwortlich aber sei das Stift Flaesheim mit seinem großen Holzhau, gegen den sie laufend mit Pfändungen vorgehen müssten. Hinzu kämen noch die großen Holzmengen, die die Horneburger Beamten beanspruchten. In der „Behausung“ des Hobsfronen Henrich Schwacke, der als Zeuge fungiert, bringt der Notar das ganze zu Papier.

In einem Zeugenverhör protokolliert der Notar Bierbaum die Aussagen des Erbschulten Jan Schulte tho ohr, des Erbförsters Jan Beckman und des jetzigen Försters Gerd Henderich Koop, dass sie „mehrere 1000 Taler werte Eichelkämpe“ angelegt haben, das Stift Flaesheim dagegen nichts.

Ferner lässt Von der Renne die Förster der Diller Mark Wilhelm Schulte Nichterinck, Jan Hunger und Henderich Härninck (?) aus Erkenschwick vorladen und konfrontiert sie mit dem Schreiben des Jägers Bockelkamp. Sie begründen die Verhauung der Diller Mark mit großen Holzforderungen des Richters von Recklinghausen, die sie nicht ablehnen könnten.

Der Herr Westrem auf Gutacker lässt es sich nicht nehmen, beim Notaren Bierbaum zu erscheinen und ein Protokoll aufnehmen zu lassen. Als Holzrichter der Diller Mark (Bestritten von der Äbtissin von Flaesheim; Rechtsstreit vor dem Reichkammergericht in Wetzlar!) habe er mehrfach den Holzhau verboten und in den Kirchen von Datteln und Ahsen verkünden lassen.

Schließlich erlässt der Kurfürst eine General-Prohibition, in der er jegliches Holzhauen auf unbestimmte Zeit verbietet. Sogar Körperstrafen werden für Übertreter angekündigt. Zwischen dem Domkapitel zu Köln und dem Stift Flaesheim entwickelt sich ein langer Prozess in Wetzlar, der 1720 im Dachsbergkrieg eskaliert. Viele verzweifelte Bitten um Holz finden sich in diversen Akten.

Ob der Jäger Bockelkamp wohl geahnt hat, welche Lawine er lostrat?

(C) by  Karl-Heinz Wewers / WEBDESIGN