1166 „Geschichtswerkstatt“ zur Zeit von Pfarrer Schmitz
(
Nr. 93 Archiv O-E)
Clarenbach

Der Oerer Pastor Schmitz (1760 - 96 Pastor in Oer) war nicht nur Chronist seiner Zeit, sondern versuchte auch die Vergangenheit seiner neuen Heimat (Schmitz kam aus dem Rheinland) zu erforschen. Dabei waren ihm viele Gemeindemitglieder wie der Lehrer Bessier, der Hobsfron Schwacke, die Bauern Schulte von Oer, Schröder, Ludbrock usw. behilflich. Aber auch andere wie die Domkapitelverwalter Schoras und Bracht, Pastor Nierhof von Flaesheim, Pastor Kraemer von Horneburg, Pastor Blanckenheim von Recklinghausen, Richter Werne u.a.m. steuerten ihr Wissen bei.

Besonders bearbeitet wurde die Flaesheimer Fundation von 1166 (Gründungsurkunde des Stifts), in der wichtige Aussagen zur Haard stehen. Der Herr General von Elverfeldt (Besitzer von Gutacker) gestattete dem Pastor Schmitz, das westfälische Adelsstammbuch auszuwerten. Darin fand er viel Wissenswertes über die Herren von Oer. Im St.Amandus-Archiv in Datteln fand er eine alte Urkunde von 1382 über die Schenkung von Äckern in Meckinghoven an die Kirche für Seelenmessen der Oerer Herren.

Die Aussagen u.a. von Bauer Ludbrock fasste er in 7 § zusammen. Die Oerer Höfe seien früher in kaiserlichem Besitz gewesen. Im Duell habe ein Oerer Herr den Bruder getötet; später, im kaiserlichen Dienst stehend, habe er die Güter dem Kaiser vermacht. Der habe sie dem Erzbischof von Köln als Beisteuer zum Kölner Dombau geschenkt. Später habe der Erzbischof die Güter an das Kölner Domkapitel weitergegeben. (1)

Schmitz notiert auch Aussagen über einen Galgen auf der Lauseheide, wo die Verurteilten aus Horneburg hingerichtet wurden. „Haken und Krempe eines Weiberwams“ habe man dort gefunden, wohl Überreste der zuletzt dort verbrannten Hexe. Als 1736 ein neuer Galgen dort aufgerichtet werden sollte, verweigerten die Oerer Kötter dem Kellner Fabritius auf Anweisung des Verwalters Rive die Arbeit. Erst damals sei der Galgen zur Kleverbecke nach Marl gekommen.

Während die Erkenschwicker die Gefangenen in Horneburg bewachen mussten, hätte der Siepener Kötter  Broickmann die Zellen reinigen müssen. Weil oft Gefangene vom Amtshaus in die Kirche entkamen (Dort genossen sie Asyl), sei das Gefängnis nach Recklinghausen verlegt worden.

So vermischen sich, auch nach Meinung von Pfarrer Schmitz, vieles Mögliche mit Sagenhaftem.

1) Reste der ehemaligen Burg Oer:

§ 4 „In der Bauernwiese signanter (besonders) des Schulten sollen noch varia rudera (verschiedene Reste) von gebauen (Gebäuden) vormahlen sind gefunden worden wie auch hier im Kipgarten signanter auf dem plätzgen (Platz), so Lütgenhenrichs Tringen jetzt vor seiner Thür einen hat.“

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