1653 Eine Episode aus dem Holzrichterstreit des Herrn von Westrem auf Gutacker mit der Abtissin von Flaesheim im Jahre 1652 - oder - Wie die Kuh des Kötters Beckhoff politische Dimensionen gewann

(HAA VIII B Nr. 73 II ) Clarenbach

"Wohlehrwürdige hochedelgeborene hochgeehrte Frau Abtissin", beginnt der Verwalter des Domkapitels Arnold Schaumburg seinen Brief. Dem Kötter Werner Beckhoff aus Siepen ist die Kuh entlaufen. Er hat sie die ganze Nacht wegen der Wolfsgefahr gesucht und nun erfahren, dass sie Leute des Herrn von Westrem auf der Diller Mark gefunden und in den Pfandstall bei Schulte-Bockum gebracht hätten. Nun fordere der von Westrem von Beckhoff "unverantwortlicher weise " 1 1/2 Taler; en Austausch der "melcken Koe " gegen ein "guth rindt" habe er abgelehnt.

Listig schreibt Schaumburg weiter: Das sei doch wohl ein Präzedenzfall, wer der Markenrichter der Diller Mark sei. Als solche könne die Abtissin dem Schulte-Bockum als ihrem Vogt doch befehlen, dass er die "koe restituire" (die Kuh zurückgebe). Schließlich sei sie entlaufen und nicht etwa in der Diller Mark geweidet worden Durch diese "Restitution" könne die Abtissin "ihre gerechtigkeit fundieren".

Wegen der Unkosten will sich Schaumburg mit der Abtissin auf dem Hof zu Oer beim anstehenden Markengericht der Oerer Mark verständigen, zu dem er die Abtissin freundlich einlädt.

Wie die Geschichte ausgegangen ist, konnte ich leider nicht finden. Ich nehme aber an, dass die Abtissin die Gelegenheit, den Herrn von Westrem zu zeigen, wer der Markenrichter ist, genutzt hat. Erst gut 10 Jahre später begann dann der lange Markenrichterprozess.

  (C) by  Karl-Heinz Wewers / WEBDESIGN