1649 bis 1724 Das Markenrichteramt vom Ende des 30-jährigen Kriegs bis zum  endgültigen Sieg des Domkapitels

Gerhard Clarenbach

Nach dem Krieg kann das Domkapitel seine Stellung bezüglich des Markenrichteramts trotz aller Probleme im Vest zunehmend festigen. Ein Ausdruck davon ist sicherlich der neue Ge­richtsstein auf dem Hofe Oer.1) Im Jahr 1655 kommt es dann wegen der Holzfällung des Flaesheimer Amtsmannes Sutan am Heiligen Baum zu weiteren erheblichen Spannungen zwischen dem Stift und dem Domkapitel.

1660 aber notiert der Kellner Prange resignie­rend im Vestischen Lagerbuch 2) : "Gleicherge­stalt hat daß Ambthauß auf der ohrer Hardt daß Erbholtzgericht... gehabt, daß Erbholtz Richt­ers Ambt aber maßet sich jetzo Eines Hochwür­digen Thumbcapituls in Cöllen Verwalter an..."
Aus dein Amtsholzstreit (ab 1668) der feind­lichen Brüder, dem Verwalter des Domkapitels, Arnold Schaumburg, und dem Amtmann von Flaesheim, Godefried Schaumburg, entwickelt sich ein jahrzehntelanger Kampf zwischen dem Stift und dem Domkapitel um die Herrschaft in der Oerer Haard. Zwei dicke Verhörakten dazu erstellt der Recklinghäuser Richter Mathias Milstrohe.
3)

Als die neue Äbtissin Anna Maria von Nagel (1670-1715) vor das Offizialgericht in Köln zieht, weitet sich die Sache zum Grundsatzstreit aus, wer die Jurisdiktion in der Haard hat. Auf­grund der Flaesheimer Fundation von 1166 spricht die Äbtissin sogar davon, dass den Ka­pitularen des Domkapitels nur dann Holz zu­steht, wenn sie wie die Kötter an der Haard woh­nen würden. Sie seien nämlich bestenfalls Außenmärker.

Als der Kurfürst am 12. 10. 1695 zum Schutze seiner Wildbahn in der Haard gar die General­Prohibition verhängt, steigert sich der Streit noch und endet vor dem Reichskammergericht in Wetzlar. 1702 versucht auch der Kellner Horst noch einmal mitzumischen.

Die Verhandlungen in Wetzlar ziehen sich hin, erzeugen einen ganzen Aktenberg, ohne dass es zu einem Ergebnis kommt.4) 1711 sieht es sogar so aus, als wenn die Haard zwischen dem Stift und dem Domkapitel geteilt werden könn­te.

Auch die neue Äbtissin, Cunigunde Josina von Nagel (1715-32), setzt den Kampf zunächst fort. 1720 kommt es zur "Dagsbergschlacht". Dabei wird der Dachsberg von dem Verwalter Schaumburg im Verein mit den Oerern abgeholzt.                   .

1724 aber scheint die Kraft des Stiftes erschöpft zu sein. Das Stift scheint sich mit demPrimat des Domkapitels abgefunden zu haben.

 

Literatur und Anmerkungen
1) Siehe meinen Beitrag in: "Der 30-jährige Krieg im Ostvest II".
2) Werner Burghardt: Das Vestische Lagerbuch von 1660, Münster 1995, S. 106.
3) HAA VIll C, Nr. 124.
4) HAA VIII C, Nr. 129 und div. VIII B Akten