1578 Das älteste Protokoll eines Hobsgerichts der Oerer Haard über die Markengerichtsbarkeit

Gerhard Clarenbach

Im Jahre 1578, also kurz nach der Wiederlöse des Vestes durch Erzbischof Salentin (1576) und kurz vor dem Truchsessischen Krieg (1583-89), fand am Heiligen Baum (heute Jo­hannes) ein Hobsgericht statt, das der Befehlshaber der Höfe Oer und Chor als Beamter des Kölner Domkapitels protokollierte.

Neben einer Fülle von Hobssachen über Höfe im Vest wie Dottelbeck, Dieckerhoff, Marck­feld, Hilbring, Leppelmann etc. ging es um Schuldschweine, die Schafsdrift, Erbteilungen. Gewinn- und Zehntzahlungen etc. Besonders wichtig waren die Verhandlungen über die Haardrechte. Durch die lange Pfandschaft war die Stellung des Kellners auf der Horneburg sehr stark. Alle Abgaben wurden zum Amts­haus Horneburg entrichtet, und der Kellner hat­te auch die Markengerichtsbarkeit übernom­men. Er genehmigte sogar Zuschläge in der Mark, wie im Protokoll zu lesen ist. Diese Rech­te wurden nun von Arnold von Schaumburg, dem Vertreter des Domkapitels, und der Äbtis­sin von Flaesheim bzw. ihrem Amtmann, Wil­helm von Galen angegriffen; sie verlangtem die alten Rechte zurück, wie sie vor der Pfandschaft bestanden hatten. Es ging um Holthausen 1) (bei der ehemaligen Jugendherberge Oer), um das Recht, so genannte "Schneidhärnmel" und Lämmer einzuziehen, um die Wiedereinführung des alten Brandeisens u. v. m.

(HAA VIII C Nr. 97, S. 4-22)