1803 - 1811 Die arenbergsche Zeit
In der Zeit des Herzog von Arenberg
Gerd Clarenbach

Nur kurz, von 1803 bis 1811, währte die Arenbergsche Herrschaft über das Vest. Dennoch war diese Zeit von einschneidenden Veränderungen geprägt. Das Justizwesen wurde gestrafft, die Verwaltung modernisiert. Vor allem aber musste sich der Herzog neue Steuerquellen erschließen. So wurde damals bereits die Gewerbesteuer und die heute von Politikern wieder diskutierte Kopfsteuer eingeführt.

Heute vor 200 Jahren, mit dem am 25. Februar 1803 erlassenen Reichsdeputationshauptschluss, übernahm Herzog Engelbert von Arenberg die Herrschaft über das Vest. Der Landesfürst erhielt unter anderem diese Region als Ausgleich für seine an Frankreich, sprich Napoleon, verlorenen linksrheinischen Besitztümer.

In den Geschichtsbüchern finden sich kaum brauchbare Informationen über die Herrschaft der Arenberger. Grund genug für den Oer-Erkenschwicker Heimatforscher Gerhard Clarenbach, sich intensiver mit Dokumenten aus dieser Zeit zu befassen. Schließlich beherbergt das Stadtarchiv in Recklinghausen in der Arenberg-Abteilung Unmengen von Material, darunter auch viele notarielle Abschlüsse. Seit zwei Jahren sichtet Gerhard Clarenbach die Schriftstücke der herzöglichen Herrschaft und studiert die Auswirkungen der Erlasse.

"Nur sehr langsam gewannen die Ideen der Französischen Revolution im Vest an Boden. Als 1808 auf Verordnung des jungen Herzogs Prosper Ludwig die Leibeigenschaft und die Hobsverfassung abgeschafft und das französische Zivilrecht eingeführt wurden, gab es eine große Verwirrung. Die Oerer Bauern schickten sogar eine Delegation nach Paris, weil sie ihr altes Hobswesen behalten wollten", erklärt Clarenbach. Aber nicht nur neue Rechte, auch neue Pflichten wurden der Bevölkerung auferlegt. Um die Napoleonischen Kriege finanzieren zu können, wurden immer neue Steuern eingeführt. Neben der Vieh-, der Personen-, der Gewerbe- und der Kopfsteuer gab es auch die Würdensteuer, die alle Personen von Rang traf. Im Zuge dieser Erhebungen gab es auch die erste Bevölkerungsstatistik. So lebten zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Erkenschwick 136 Einwohner, in Oer waren es 225.

Bauern mussten Land verkaufen

Im Gegensatz zum bisherigen Herrscher, dem Kurfürsten von Köln, verlangte der Herzog von Arenberg von den Bauern Abgaben nicht in Form von Naturalien, sondern in barer Münze. Viele Bauern mussten Hypotheken aufnehmen und später Land verkaufen, um den Forderungen gerecht zu werden. So kam der Herzog in den Besitz vieler Ländereien.

Im Jahre 1811 beendete Napoleon die Arenbergsche Herrschaft. 1815 fiel das Vest als Teil der Provinz Westfalen an Preußen.

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