Vorwort

Karl-Heinz Wewers

Die Bauerschaft (Groß-) Erkenschwick im Kirchspiel Recklinghausen lag im sog. Vest Recklinghausen, das über Jahrhunderte unter der Herrschaft des Erzbischofs und Kurfürsten von Köln gestanden hatte.

Oer-Erkenschwick, zwischen Datteln und Recklinghausen - oder wie es in einer Selbstdarstellung der Stadt heißt, - "in einer nördlichen Randlage zwischen Ruhrgebiet und Münsterland" gelegen, wurde 1926 durch den Zusammenschluss von Oer, Erkenschwick und Rapen eine eigenständige Gemeinde, die jedoch zunächst noch verwaltungsmäßig dem Amtsverband Datteln unterstellt blieb. Die Stadtrechte wurden Oer-Erkenschwick erst am 02.03.1953 verliehen. Heute, am Beginn der 21. Jahrhunderts, leben hier rund 31.000 Einwohner auf einer Fläche von 38,8 qkm.

Obwohl sie eine junge Stadt ist, hat Oer-Erkenschwick dennoch eine weit zurückreichende Geschichte: "Deutliche Zeugnisse für dauerhafte Siedlungen auf dem heutigen Stadtgebiet lassen sich auf den Zeitraum von 800 bis 1000 v. Chr. datieren. Die erste urkundliche Erwähnung Erkenschwicks findet sich im Heberegister des Jahres 1150 der damals bedeutenden Abtei Werden. Etwa aus der gleichen Zeit stammen auch Aufzeichnungen über den damaligen Reichshof Oer."

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Gebiet der heutigen Stadt von der Land- und Forstwirtschaft geprägt. Aber mit dem Aufkommen und dem Wachstum des Bergbaus setzte ein gravierender Wandel ein: "Am 2. Juni 1899 begann die Abteufung des Schachtes I des späteren Bergwerks Ewald-Fortsetzung und bereits im Jahre 1908 waren dort 1.600 Bergleute beschäftigt. Der große Bedarf an Arbeitskräften konnte in dieser Phase nur durch zahlreiche Zuwanderer, vorwiegend aus den östlichen Provinzen des damaligen

 

Deutschen Reiches, gedeckt werden. Dies beeinflusste auf die Dauer nachhaltig das politische, soziale und kulturelle Leben. Die Einwohnerzahl erhöhte sich bis in die 20er Jahre dieses Jahrhunderts von 1.000 auf 13.500. Noch heute sind die sogenannten Kolonien, jene typischen Wohn- und Lebensformen der Bergbaustädte, auch für einige Bereiche Oer-Erkenschwicks prägend."

Wenn der Bergbau das Stadtbild auch stark beeinflusst hat, so haben sich doch unübersehbar Zeugnisse des bäuerlichen Lebens bis in die Gegenwart erhalten. Noch heute wird in dieser Stadt Landwirtschaft betrieben. Dennoch sind viele Höfe der Industrialisierung und Wohnbebauung gewichen.

Mit dem Ende des Bergbaues in Oer-Erkenschwick ist der über Jahrzehnte hinweg wichtigste Wirtschaftsfaktor unserer Stadt verloren gegangen.

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