Die Vorgeschichte bis zum 12. Jahrhundert 1)

Klaus Winter
"700 Jahre Hof und Familie Schulte-Hubbert"

Ob es den Huno, von dem im folgenden berichtet wird, tatsächlich gegeben hat, wird nicht mehr nachgewiesen werden können. Warneckes Erzählung seiner Geschichte sei hier dennoch - gekürzt - wiedergegeben. Denn sie führt aus noch weiter zurückliegenden Epochen hinein in die Zeit, aus der die ältesten schriftlichen Überlieferungen zur Bauerschaft Erkenschwick stammen:

In der Talwanne, an der Einmündung des Esseler-Bruchgrabens in den Westerbach am fruchtbaren Lehmhang des Recklinghäuser Landrückens, der für eine landwirtschaftliche Nutzung besonders geeignet ist, lag der Hof des Bauern Schulte-Hubbert. Die Katasterkarte von 1824 zeigt noch deutlich, dass es sich um einen ehemals großen geschlossenen Besitz gehandelt haben muss, der im Laufe der Jahrhunderte durch Teilung seine alten Ausmaße verloren hat.

Es war ein alter Edelbesitz, der schon in der Germanenzeit seine besondere Bedeutung gehabt hatte. Die auf dem Hofgebiet noch heute erscheinenden Flurnamen bestätigen die Annahme, dass hier der Besitz des Hundertschaftsführers war. Es ist bekannt, dass die erste germanische Siedlung durch die Sugambrer erfolgte. Eine Hundertschaft unter Huno siedelte am Westerbach, Silvertbach und Mühlbach.

Huno baute seine Halle am Spring, im Mündungsdreieck des Wester- und Bruchgrabens. Der umliegende Wald lieferte genügend Bauholz für Haus und Halle. Der im Westen an das Gehöft angrenzende Humbrink wurde kultischer Mittelpunkt der umliegenden Hundertschaftssiedlungen. Auf dem Humbrink stand der heilige Baum und am Thingstage versammelten sich hier die Freien und ihre Führer.

In den Jahren bis zur Zeitenwende wurde der Heerbann auch des Erkenschwicker Gebietes gegen die Römer mit wechselndem Erfolg aufgerufen. Tiberius brachte dann im Jahre 8 v. Chr. den Siedlern Unterwerfung und Verlust der Heimat: 40.000 Sugambrer wurden auf das linke Rheinufer, in die Gegend unterhalb Kölns, verpflanzt. Die Halle des sugambrischen Hundertschaftsführers und die Siedlungen am Westerbach und Esseler Bruchgraben verfielen.

Später nahmen die Brukterer aus dem Münsterland das Gebiet in Besitz und waren hier bis zum Mittelalter sesshaft. Sie bauten die verödeten Siedlungen wieder auf. Wenn sich die Freien zu ernsten Beratungen und zum Umtrunk in Hunos Halle versammelten, dann gaben die Erzählungen der Alten Kunde von den großen Zeiten ihrer Stammesgeschichte, von dem großen Anteil der Brukterer an dem Kampf gegen die Römer im Jahre 9 n. Chr. bei der legendären Schlacht im Teutoburger Wald.

Auch die Zeit im 3. Jahrhundert soll nicht vergessen werden, als Konstantin der Große das Land überfiel, viele niedermetzelte und gefangen nahm. Und der Überfall von Arbogast, eines germanischen Heerführers, brachte namenloses Unglück über die Siedlungen am Westerbach. Im Jahre 451 war der Römerhass noch immer nicht vergessen. Im Heeresgefolge der Hunnen kämpften die Brukterer auf den Katalaunischen Feldern.

Im 7. Jahrhundert übernahmen die Sachsen die Herrschaft über das Gebiet, die Siedler am Westerbach verloren ihre Freiheit. Ein sächsischer Edeling übernahm den alten Huno-Hof, den er durch einen Vogt verwalten ließ. Die Siedler in Groß- und Klein-Erkenschwick und Rapen waren diesem Oberhof zu Abgaben verpflichtet.

Die Eroberung des Sachsenlandes durch Karl den Großen brachte wieder neue Verhältnisse:

Der sächsische Edeling auf dem Huno-Hof verlor seinen Besitz, der nun einem Franken für seine Verdienste zugeteilt wurde. So waren im 12. Jahrhundert die Herren von Volmestein, die im fränkischen Heer gekämpft hatten und dafür mit reichem Landbesitz ehemaliger sächsischer Edelinge bedacht worden waren, im Besitz des ehemaligen Huno-Hofes, dem späteren Schultenhof, der aber nicht mehr seine ursprüngliche Größe hatte. Durch Teilung, deren Gründe nicht mehr feststellbar sind, war auf der Bachterrasse unterhalb des Schultenhofes ein neuer Hof (nämlich Wiesmann, Vf.) entstanden.

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Warnecke
"Beiträge zur Geschichte unserer Heimat"

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