1505 Wechselbrief des Bernt Hupertinck

Winter
700 Jahre Hof und Familie Schulte-Hubbert

Ist aus dem Jahre 1447 ein Wechselbrief überliefert, aus dem hervorgeht, dass ein Höriger einer anderen Grundherrschaft Eigenbehöriger des Stiftes Flaesheim wurde und auf den Hof Schulte-Hubbert kam, so gibt eine Urkunde aus dem beginnenden 16. Jahrhundert den umgekehrt liegenden Fall wieder:

"Rotger van Westrum bekennt, dass er mit der Äbtissin Anna Wulf und dem Konvent des Klosters Flaesheim folgende Eigenbehörige gewechselt hat: Rotger übergibt dem Kloster Flaesheim Hinrich Mardinck, Sohn des Johan Mardeman und erhält dafür Bernt Hupertinck, Sohn des Johann Schulte Huperding.

Zeugen dieses Wechsels sind: Godeke Peters, Gert Mutinck und Johann ther Wisch, sowie weitere namentlich nicht genannte Personen. Rotger van Westrum siegelt für sich und Sophia van Westrum, seine Schwägerin, sowie deren Kinder. Dies bekennen Anna und Sophia."46)

Die Besonderheit dieser Urkunde besteht darin, dass der Vater des den Hof verlassenden Bernt, Johann, neben dem Hofesnamen "Huperding" zusätzlich mit "Schulte" bezeichnet wurde. Es handelt sich hier um die älteste Erwähnung des heutigen Doppelnamens Schulte-Hubbert.

Mit Schulte oder Schultheiß wurde einst der Bauer bezeichnet, der innerhalb einer Gruppe von Bauerngütern eine Führungsrolle innehatte. Er stand in einem Hofesverband dem sog. Oberhof vor; die übrigen zum Verband gehörigen Bauerngüter wurden dementsprechend Unterhöfe genannt.

In längst vergangenen Zeiten hatte der Schulte sogar eine begrenzte Gerichtsbarkeit ausgeübt. Dieses Recht hatte er jedoch in der Zeit des fortschreitenden Ausbaus des Grundherrschaftswesens verloren. In einer Übergangsphase nahm er noch eine Vermittlerrolle ein, wenn Angelegenheiten zwischen den Bauern seines Hofesverbandes und der Grundherrschaft zu regeln waren. Aber auch diese Position verlor der Schulte schließlich an den Kellner, dem Verwalter der Grundherrschaft, so dass ihm von der einst bevorrechtigten Stellung schließlich nichts als der Namenszusatz blieb.

Im Zusammenhang mit dem Protokoll aus dem Jahre 1325 hatte Jansen auch geschrieben: "Die Tradition hat sich noch erhalten, dass der Schulte-Hubbert früher zu Datteln gehört habe: er war der Schulte von Rapen, das jetzt keinen Schulten mehr hat." Leider findet sich bei Jansen aber kein Hinweis, durch den die zitierte Aussage belegt wird.

Sicher ist, dass die Schulte-Hubbert den ersten Teil ihres Doppelnamens nicht seit ewigen Zeiten geführt haben, denn er wird erstmalig durch den oben zitierten Wechselbrief von 1505 überliefert. Bei den älteren Quellen erscheint dagegen kein "Schulte" zusammen mit dem Namen Hubbert. Auch wurde in der Zeugenreihe der Urkunde von 1458 noch ein Johann Mutte als Schulte von Rapen bezeichnet.

Demzufolge ist der Titel bzw. Namenszusatz "Schulte" erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts an den Erkenschwicker Hof gekommen. Wie und warum dies geschah und welche Bedeutung noch mit der Bezeichnung "Schulte" verbunden war, konnte nicht festgestellt werden.

---------
46) Stadtarchiv Recklinghausen, HAA, Urkunde III 275

(C) by  Karl-Heinz Wewers / WEBDESIGN