1297 Verkauf der Höfe Schulte-Hubbert und Wiesmann an das Stift Flaesheim

Winter
"700 Jahre Hof und Familie Schulte-Hubbert"

Tatsächlich stehen die bisher ältesten zum Hofe Schulte-Hubbert und Wiesmann gefundenen schriftlichen Hinweise im Zusammenhang mit dem Erwerb der Höfe durch das Flaesheimer Kloster.

In einer Auflistung über dessen Grundbesitzerwerbungen heißt es:

"1306 verkaufen Goswin und Theodor Moyliken von Volmestein Hupbractinc (Schulte-Hubbert) und Wiesmann (domus hermanni) (an das Kloster Flaesheim, Vf.)."5)

Damit scheint die Frage, wann die Höfe Eigentum des Klosters Flaesheim wurde, schnell geklärt zu sein. Es fällt jedoch auf, dass in derselben Aufstellung bereits für das Jahr 1279 ein Verkauf von zwei Raper Gütern an das Kloster Flaesheim erwähnt wird und zwar ebenfalls in Verbindung mit dem Namen Moyliken.

Die Überprüfung des älteren Hinweises der Liste führt zunächst zu dem Resultat, dass die Jahreszahl 1279 zu korrigieren ist, denn die Urkunde wurde datiert mit Volmestein, 19.02.1297. Sie besagt, dass Dietrich I., Herr von Volmestein, seine Zustimmung dazu erklärte, dass sein Burgmann Dietrich gnt. Moyliken zwei Erben in Rapen, die er von ihm zu Burglehen hatte, an das Kloster Flaesheim verkauft hat. Als Ausgleich hatte Dietrich gnt. Moyliken dem Herrn von Volmestein die von dem Dortmunder Bürger Ludolf gnt. von Culpe erworbenen Güter zu Schülinghausen zu Burglehen aufgetragen.6)

Von diesen beiden Erben (duas domus sitas Rapene in iudico Rikelinchusen) wurde das eine zum Verkaufszeitpunkt bewirtschaftet von dem Colonen Hermannus und seiner Ehefrau Gertrude, deren Söhnen Johannes, Hinricus, Theodoricus und Riquinus und den Töchtern Hildegunde und Gertrude; "domus hermanni" wird gemeinhin als der spätere Hof Wiesmann interpretiert. Auf dem anderen Erbe lebten nach derselben Quelle der Colonus Vrowinus mit seiner Ehefrau Gertrude, den Söhnen Johannes und Vrowinus und der Tochter Emesce. Bei diesen handelt es sich um die ältesten mit Namen bekanntgewordenen Bewohner des Hofes, der später Schulte-Hubbert genannt wurde.

Mit dem Verkauf der beiden Höfe samt Kämpen, Wiesen, Gehölzen, Heiden, Mühlen, Gewässern und Fischteichen gingen auch die auf den beiden Höfen lebenden Familien in das Eigentum des Klosters Flaesheim über. Die Bewohner der verkauften Höfe gehörten also einem unfreien Stand an.

Um den Erwerb der beiden Höfe muss schon bald eine Auseinandersetzung zwischen dem Kloster Flaesheim und einem Hermann gnt. von Pikenbrock entstanden sein, über deren Ursache und Ausmaß keine Nachrichten mehr vorzuliegen scheinen.

Der Name von Pikenbrock erscheint in besagter Streitsache zunächst in einer am 29.06.1298 ausgestellten Urkunde. Sie berichtet über die Beilegung der Irrungen zwischen "Hermannus dictus de Pikenbroke" und dem Kloster Flaesheim wegen des Ankaufs der Güter und Leute in Rapen (bonorum et hominum in Rapen). Nach Aussage der Urkunde verzichtete Hermann von Pikenbrock - vielleicht nach Zahlung einer Entschädigung - auf seine Ansprüche gegenüber dem Kloster.

Dies bekräftigt eine zweite Urkunde, die wenige Monate später, nämlich am 30.11.1298, ausgefertigt wurde. Durch die doppelt erbrachte Bestätigung der geschlichteten Auseinandersetzung wird der Frieden zwischen dem Kloster Flaesheim und dem Hause Pikenbrock wiederhergestellt worden sein.

Unumstritten blieb jedoch auch in den nächsten Jahren das Eigentumsrecht des Klosters Flaesheim an den beiden frisch erworbenen Gütern in Rapen nicht, so wie auch in anderen Fällen belegbar ist, dass das Kloster Auseinandersetzungen in Eigentumsfragen führen musste.

Im Jahre 1306 traten die Brüder Goswin und Thidericus, die Söhne des Ritters Thidericus gnt. Moiliken von Volmestein, vor den Freigrafen Hugo in Recklinghausen und den an der Emscher gelegen freien Stuhl Ranoldinc. Sie bezeugten öffentlich, dass ihr Vater mit Zustimmung seiner Erben an die Äbtissin und den Konvent des Klosters Flaesheim zwei in Bekerapen im Gericht Recklinghausen gelegene Höfe (duos mansos sitos Bekerapen in iudicio Rikelinchusen), der eine Hupbractinc, der andere Hermanns Haus genannt (quorum unus mansorum dictus est Hupbractinc et alter dictus est domus Hermanni), mit allem Zugehörigen und Nutzungsrechten, wie und wo sie gelegen, und allen dazugehörigen Männern und Frauen verkauft hatte. Zur Bekräftigung dieses Verkaufes bestätigten die Brüder Goswin und Thidericus den Verkauf der beiden Höfe an das Kloster in Flaesheim.

Die Bestätigung lässt erkennen, dass es weitere Zweifel an dem rechtmäßigen Eigentum des Klosters an den Raper Gütern gegeben haben muss. Tatsächlich findet sich eine Urkunde aus dem Jahre 1314 mit dem folgenden Inhalt:

Thidericus der Jüngere, Herr von Volmestein, bekennt, dass er die Streitigkeiten, die zwischen ihm und dem Kloster und Konvent von Flaesheim wegen der nahe bei Recklinghausen gelegenen Güter in Rapen und Hubrachtinc (bonorum ... in Rapen et in Hubrachtinc sitorum iuxta Rekelinchusen) enstanden waren, beilegen wolle. Deshalb verzichtet er mit Zustimmung seiner Frau Godestu und seiner Kinder Thidericus, Lise und Elisabeth auf alle Ansprüche an den genannten Gütern, die er gegenüber dem Konvent und Kloster gehabt hatte.

Nach dieser Urkunde musste der Sohn von Dietrich I., Herr von Volmestein, die Rechtmäßigkeit des von seinem Vater genehmigten Verkaufes der Güter an das Kloster Flaesheim durch den Burgmann Dietrich gnt. von Moyliken wohl bestritten und versucht haben, sie wieder in Volmesteiner Besitz zu bringen. Dieser Prozess könnte bereits vor 1306 eingesetzt haben, wodurch erklärt würde, warum die Söhne des Burgmanns den Verkauf in diesem Jahre öffentlich bestätigt haben.

Der Erwerb der späteren Höfe Schulte-Hubbert und Wiesmann durch das Kloster Flaesheim war nach den vorliegenden Urkunden also keineswegs unproblematisch.
 

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5) Bette, S. 36. Diese Annahme wurde von Pennings, FL.II, S, 12 übernommen
6) W.U.B. Nr. 2451, vgl. Pennings, FL I, S. 43

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