Vom Stimberg -Hof in Groß-Erkenschwick

Vorwort

Der alte Stimberghof, hinter dem Stadtpark (An der Aue) gelegen, ist nach einem Brand nur noch eine Ruine. In der Nähe hat der heutige Besitzer Josef Beckbauer ein Wohnhaus errichtet. Er verwahrt ein Hofbuch des Bauern Stimberg (1848-92), mit dem sich schon Warnecke beschäftigt hat (Beiträge zur Stadtgeschichte. Volksbildungswerk der Stadt Oer-Erkenschwick. O. Jahr. S.28-30). Warnecke verweist auch auf das Horneburger Lagerbuch von 1660, in dem das Haus Gutacker, ein Schloss zwischen Rapen und Datteln gelegen, als Besitzer des Hofes Stimberg angegeben wird. Seine Vermutung, dass später das Stift Flaesheim den Hof gekauft hat, kann ich belegen. Im Herzog-Arenberg-Archiv in Recklinghausen fand ich Archivalien aus vergangener Zeit über den Stimberghof.

Gerhard Clarenbach

1693 Wie der Stimberghof von Gutacker zum Stift Flaesheim kam

(nach HAA VIII B Nr.76)
Clarenbach

Am l l.Juli 1693 betraten "vereydete Kurdienstleuthe", darunter der Gerichtsfrohne Franz Wilhelm Aldenkirchen auf richterliche Anordnung den Stimberghof, um ihn mit allem Zubehör für eine Versteigerung abzuschätzen. Der Grundherr des Hofes, der Herr Westrem von Gutacker, war wegen seiner vielen Schulden dazu von der Äbtissin von Flaesheim gezwungen worden. Zwei Nachbarn des Bauern Stimberg, Heinrich Godde und Herman Fischer, gingen als Zeugen mit, aber auch der Bauer selbst.Zunächst wurden alle Ländereien aufgesucht, ihre Größe bezeichnet und ihre Lage zu Grundstücken der Nachbarn beschrieben usw. Insgesamt kamen 29 1/ 4 Scheffel zusammen. Ein Scheffel wurde mit 21 Reichstaler gerechnet, so daß der Gesamtwert ca. 614 Reichstaler betrug. Als nächstes wurden die kleinen Bauerngehölze begutachtet und mit 223 Reichstaler vermerkt. Dann kam der Garten mit Obst- u. Nußbäumen, die Wiesen, die Hofbäume, der Schafstall und das Federvieh dran; schließlich fragte man nach den Pachtzahlungen .Insgesamt wurde der Hof mit rund 1200 Talern bewertet. Bei der Versteigerung wurde eine Kerze entzündet, und dann konnte geboten werden. Schaumburg, der Verwalter des Domkapitels für den Hof Oer, bot 520, Custer 525 Henrich Stimberg 530 Taler. Als der flaesheimische Amtmann Mechelen 555 Taler bot, erlosch die Kerze, und das Stift Flaesheim, für das er bot, hatte billig einen Hof dazu gewonnen. Der Protest des Herrn Westrem von Gutacker, daß das Gut zu billig versteigert worden sei, nutzte nichts. Ihm wurden auf seine Schulden nur die 555 Taler angerechnet . Seit der Zeit muß der Bauer Stimberg die Abgaben an das Stift Flaesheim entrichten.

 

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