Geschichte
"Stift Flaesheim"

                                                   

Das Stift Flaesheim und die Lippe auf einem Kartenausschnitt um 1707. Bei dem Gebäude rechts von der Kirche handelt es sich um das 1790 abgebrannte und nicht wieder aufgebaute Stiftsgebäude. Heute befindet sich dort eine Friedhofsanlage

  "700 Jahre Hof und Familie Schulte-Hubbert" Klaus Winter

In der Mitte des 12. Jahrhunderts war Graf Otto von Ravensberg der Grundherr des Oberhofes Flaesheim, den er selber wohl durch Erbfolge erhalten hatte. Graf Otto ließ den Haupthof durch einen Schultheißen verwalten, der einerseits diesen bewirtschaftete und andererseits darüber wachte, dass die abhängigen Bauern ihre Abgaben und Dienste pünktlich leisteten.

Für die Ravensberger Grafen - sofern sie in Flaesheim weilten - wie auch für die Flaesheimer Bauern war der Weg zur Pfarrkirche nach Recklinghausen sehr beschwerlich. Es schien nahezuliegen, auf dem Haupthof in Flaesheim eine Kapelle zu errichten und einen Pfarrer anzustellen. Für den baulichen Unterhalt der Kapelle, der in der Anfangsphase noch wesentliche Pfarrechte versagt blieben, sowie für das Einkommen des Pfarrers soll ursprünglich der Graf von Ravensberg selber gesorgt haben.

Nach einer Urkunde vom 01.08.1166 schenkte Otto von Ravensberg zusammen mit seiner Ehefrau und seinem Sohn sowie in Übereinstimmung mit weiteren nahen Verwandten seine Flaesheimer Grundherrschaft der Kölner Kirche "mit der Bestimmung ..., dass Gott dem Herrn dienende Schwestern, durch die Hand des Propstes Hermann von Knechtsteden in Flaesheim eingeführt und zu göttlichem Dienst verpflichtet" werden. Dies wird als die Geburtsstunde des Klosters Flaesheim angesehen.

Wie aus seiner Unterstellung unter das Kloster Knechtsteden abgeleitet werden kann, war das Kloster Flaesheim ursprünglich ein Prämonstratenserinnen-Kloster, in dem die Klosterfrauen nach den strengen Regeln des Ordensstifters, dem hl. Norbert, leben und wirken sollten. Pennings leitete jedoch her, dass sich bereits im 13. Jahrhundert aus dem Kloster eine Versorgungsanstalt für unverheiratete Töchter aus den Dienstmannengeschlechtern - also aus dem niederen Adel - des Vestes Recklinghausen und seiner Umgebung gebildet hatte.

Die Stiftskirche Flaesheim1997. 
Vom ehemaligen Kloster ist außer der Kirche nur noch das heutige Forsthaus, Stiftsplatz 5, vorhanden.

Im Laufe der Zeit mehrten sich dann die Anzeichen dafür, dass die Klosterfrauen nach einem Lebensstil trachteten, der in einem immer größer werdenden Gegensatz zu den klösterlichen Idealen stand: "Unter Leitung eines Priors, den der Abt von Knechtsteden, der unmittelbare Vorsteher von Flaesheim, dem Konvent den Jungfern vorstellte, lebte die Schar der Jungfern in allen Tugenden blühend, bis langsam und allmählich eine mit dem Irrglauben heranschleichende Üppigkeit der Sitten sie zur weltlichen Lebensweise verführte, indem die Gräfin von Schauenburg, eine Zerstörerin und Feindin der katholischen Religion, die Jungfern vergeblich zur lutherischen Sekte herüberzuziehen sich bemühte. Um ein freieres, weltliches Leben führen zu können, änderten die in ihrem Umgang schon verweltlichten Kanonissen den Namen Magistra in Äbtissin, und sie wollten auch die weiße Kleidung in eine dunkle ändern."

Die Äbte von Knechtsteden versuchten, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Doch immer wieder neu ausbrechende Kriegsunruhen störten oder verhinderten die Verhandlungen. "Nach langen Untersuchungen kam endlich 1671 ein Vertrag zwischen Knechtsteden und Flaesheim zustande des Inhalts, dass jenes seine Ansprüche auf Flaesheim fallen lasse, wenn dieses ein Kapital von 3.200 Reichstalern zu einer Fundation für Knechtsteden ausbezahle. ... Von da an unterstand das Stift Flaesheim dem Erzbischof von Köln." 

Für die vom Kloster Flaesheim abhängigen Höfe hatte dieser Wandel jedoch keine Bedeutung: Das Stift behielt die Grundherrschaft über sie.

Das Kloster und spätere Damenstift Flaesheim hatte schon bald nach seiner Gründung bedeutende Schenkungen an Bauerngütern, Geld- und Kornrenten erhalten. Zahlreiche Anwesen wurden im Laufe der Zeit durch Kauf erworben. Bei seiner Aufhebung im Jahre 1803 verfügte es über die stattliche Zahl von 92 Höfen und Kotten.

Die Bauerngüter wurden nicht von den Stiftsdamen persönlich verwaltet. Hierfür waren vielmehr Beamte zuständig, die früher Kellner, später auch Amtmann genannt wurden. Eine ihrer wesentlichsten Aufgabe war es, darauf zu achten, dass die abhängigen Bauern die Dienstleistungen verrichteten und die Abgaben lieferten, wie es zwischen diesen und der Grundherrschaft vereinbart war. Der Kellner war auch für den Schriftwechsel, die Ausfertigung von Frei- und Wechselbriefen etc. zuständig. Ferner musste er der Vorsteherin des Klosters jährlich Rechnung legen.

Anmerkung:
Die unter "Stift Flaesheim" dargestellten Berichte befassen sich alle mit irgendwelchen Begebenheiten in Oer, Erkenschwick oder Rapen.

 
20) Pennings, FI I, S. 15
21) Pennings, FI I, S. 26f, und FI II, S. 2

(C) by  Karl-Heinz Wewers / WEBDESIGN