1695 Wie der Kellner Horst den Kampf um die Horneburger Holzrechte wieder aufnimmt 
(
nach HAA VIII E Nr.5 S.79-81)
Gerd Clarenbach

Das Kölner Domkapitel hatte ca. 1695 gegen den Admodiator Vincenz Fabritius durchgesetzt , dass er höchstens Gnadenholz zu bekommen hatte, das selbstverständlich von den Schernern angewiesen werden musste. Als der Kurfürst gar die General-Prohibition (völliges Holzungsverbot) aussprach, gab es für Horneburg überhaupt kein Holz mehr aus der Oerer Haard.

1702 schlugen die Diener des neuen Kellners Horst trotzdem "vier junge angruenende außerlesene Heister". Der Hobsfrohne Schwacke und der Flaesheimer Scherner Schulte-Althoff kamen hinzu und forderten für diesen "Excess" ein Pfand (meist eine Axt oder einer Kette). Doch die Horneburger verweigerten es mit der Begründung, ihr Herr habe ihnen befohlen, unter gar keinen Umständen ein Pfand zu geben. Eher sollten sie ihr Leben lassen und sich aufopfern. Als der Scherner Schulte - Althoff trotzdem nach einer Kette griff, packte ein Knecht in seine Haare und drohte ihm die Axt in den Kopf zu schlagen.

Am nächsten Tag kam Kellner Horst selbst zum Haus des Hobsfrohnen und schrie, dass seine Knechte dem, der sie pfänden wollte, einen" Arm  vom Leibe abhauen" würden. Er holze im Namen seines Herrn des Kurfürsten, und solange  der ihm das Holzen in der Haard nicht ausdrücklich verböte, käme er notfalls“in aigener person und mit gewehrter und gewapfneter hand." Mehrmals fuhren die Horneburger darauf in die Haard und fällten viele Fuder Holz. Horst behauptete, er hole nur etwas von seinem Holzungsrecht nach.

Der Erbscherner Schulte-Oer traute sich dennoch, ein Pfand wegen des Excesses zu verlangen. "Mit aufgezogener pistolle" drohte daraufhin der Kellner Horst den Scherner "uber den Hauffen zu schießen." "Er were kein Antvogel (Ente)",antwortete Schulte-Oer unerschrocken. "Für mich bist du nicht mehr als eine Krähe in der Luft", entgegnete Horst.

Nach diesen Vorfallen schrieben die Scherner einen langen Brief an das Domkapitel, in dem sie die Vorfälle schilderten. Sie fürchteten um ihr Leben und baten um Anweisungen, was sie tun sollten, damit der Kellner nicht "aus einer gnade ein recht" mache. Als sie nach 4 Wochen imnmer noch keine Antwort hatten, schrieben sie eine "Abermahlige höchst abgenöthigte underthänigste repetition, Erinnerung und anfrage.“

Daraufhin reagierte endlich das Domkapitel. Gerald Rensing, der Anwalt und Schreiber, wollte den Statthalter Freiherren von Nesselrode einschaltein," umb caplum bey denen gerechtsamb der ohrer hardt bestmoglichst zu vertheidigen."               

Was dabei herausgekommen ist, konnte ich bisher nicht in Erfahrung bringen.

 

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