1676 Die große Not im Kirchspiel Oer nach dem Dorfbrand
(nach HAA VIII A Nr. 374)  
Gerd Clarenbach

Zum Kirchspiel Oer gehörten damals neben dem Dorf die Bauernschaften Alt-Oer, Siepen, Sinsen, Flaesheim und Hamm-Sickingmühle. Doch die Bauernschaften hatten ihre eigenen Probleme und konnten kaum helfen. Überall grassierte die „blutige Krankheit“ (Ruhr ?) , so dass in Alt-Oer 40 Menschen starben. Nur ein Haus blieb von der Krankheit verschont.

Der Verwalter des Domkapitels Arnold Schaumburg unternahm einiges: Das Holzgericht bewilligte Holz aus der Haard; er ließ Kalk heranschaffen. Doch kein Zimmerer- oder Maurermeister wollte aus Angst vor der Krankheit im Dorf arbeiten. Die Horneburger verschlossen ihre Tore und ließen niemand ein. Schaumburg bat den Landtag um 12 Reichstaler Beisteuer für jeden „Verbrannten“, was auch den Hertenern beim letzten Brandschaden bewilligt worden war (Dort saß der Statthalter von Nesselrode auf Schloss Herten!) Doch der Landtag verschob die Sache auf die nächste Sitzung.

In den Dorfschaften lagen Münstersche Truppen unter dem Oberstleutnant von Plettenberg. Sie hielten sich nicht an die Verpflegungsvorschriften und nahmen alles nach ihrem Gefallen.

Außerdem suchte eine große Dürre  das Vest heim, was bei den Sandböden besonders verheerend war. Die Bauern ernteten nicht einmal so viel, dass sie das eingesetzte Saatkorn zurück bekamen. In der Haard fielen die Eicheln vor der Reife von den Bäumen, so dass es auch keine Schweinemast gab. Außerdem gingen 6000 Eichenpflänzlinge ein, die erst vor kurzem mit großen Mühen gesetzt worden waren.

Dies alles schreibt der Verwalter Arnold Schaumburg an den Sekretär des Domkapitels Dr. Oeckhoven und bittet um Hilfe, u.a. um Pachtnachlaß für die Bauern.

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