Von den Anfängen des Klosters Flaesheim

Winter
"700 Jahre Hof und Familie Schulte-Hubbert"

Die wirtschaftliche Entwicklung4) in der Zeit vom 9. bis zum 13. Jahrhundert war gekennzeichnet durch den Ausbau der Grundherrschaft, die seit dem 8. Jahrhundert das gesamte ländliche Wirtschaftsleben im Vest Recklinghausen prägte. Sowohl weltliche als auch geistliche Grundherren brachten im Laufe der Zeit fast den gesamten bäuerlichen Besitz in ihre Hand. Die Zahl der freien Grundbesitzer, die zur Zeit Karls des Großen durch die Niederwerfung der Sachsen und der darauf folgenden fränkischen Ansiedlung sich etwas gehoben zu haben schien, schwand immer mehr dahin, obwohl es gegen Ende des 13. Jahrhunderts und auch später noch einzelne freie Güter gab. Aber diese spielten im Verhältnis zu dem in Grundherrschaften zusammengefassten Güterbesitz keine bedeutende Rolle.

Neben der Kölner Kirche, die das im Vest Recklinghausen gelegene Reichsgut an sich zu ziehen verstanden hatte, erwarben auch andere geistliche Grundherrschaften umfangreichen Grundbesitz. Manche schenkten sich und ihre Habe aus Sorge um ihr Seelenheil einem Heiligen, d. h. einer Kirche oder einem Kloster, und verhalfen diesen dadurch bald zu ansehnlichem, überallhin verstreuten Güterbesitz. Dieser wuchs um so schneller an, als auch die deutschen Herrscher und andere weltliche und geistliche Größen die Kirchen und Klöster mit Liegenschaften reichlich ausstatteten.

Das ursprüngliche Prämonstratenserinnenkloster und spätere freiweltliche adelige Damenstift in Flaesheim an der Lippe hatte aber die Mehrzahl seiner Güter durch Kauf erworben. Die Mittel für die Ankäufe stammten zum Teil aus Spenden begüterter Gönner, in der Hauptsache jedoch aus den Mitgiften, welche die Stiftsjungfern in das Kloster einbrachten und die in Grundbesitz nutzbringend anlegt wurden. Dagegen schienen Schenkungen verhältnismäßig selten gewesen zu sein.

Über Jahrhunderte übte das Kloster Flaesheim die Grundherrschaft über viele Hofe und Teile der Haard aus.

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4) nach Pennings, RE I, S. 120ff

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